Brodauf Julia
Julia Brodauf (*1974) ist Bildende Künstlerin, Autorin, Kuratorin und Kulturvermittlerin. Sie ist seit 2026 Mitglied im VdbK 1867 e.V. und nahm an der Ausstellung „Die Neuen“ teil. Bereits zuvor, 2023, war sie in der Ausstellung „Rabbitorium“, kuratiert von Niki Elbe, vertreten.
Von 1995 bis 2001 studierte Julia Brodauf an der Kunstakademie Düsseldorf bei Jan Dibbets und Gerhard Merz und ist Meisterschülerin von Jan Dibbets. Die konzeptuelle Ausrichtung ihrer Lehrer prägte ihr Verständnis von künstlerischen Prozessen. Ausgehend von der Malerei entwickelt die Künstlerin eine interdisziplinäre Praxis, die Bild, Text, Rauminstallation und projektbezogene Formate miteinander verbindet.

Julia Brodaufs Arbeiten untersuchen die Materialität von Erinnerung anhand von Schriftfragmenten, Speichermedien und räumlichen Setzungen. Malerei, Druckgrafik, Collage und ortsbezogenen Formate erscheinen dabei als unterschiedliche Erscheinungsformen derselben Fragestellung. Im Zentrum ihres Interesses stehen Prozesse der Bedeutungsbildung und der Überlagerung sprachlicher Überlieferungen und Mehrstimmigkeiten. Wiederkehrende Motive wie Schrift, Kreise oder hybride Figuren fungieren dabei als visuelle Träger solcher Prozesse.
Brodauf entwickelt Arbeiten, in denen sich unterschiedliche Ebenen von Imagination überlagern und die sich häufig zwischen sammelnder Beobachtung und poetischer Überformung bewegen. Die Ausstellung Der Ursprung von allem (2024) verband aktuelle Werke mit älteren Arbeiten und zeigte künstlerische Produktion als sedimentartigen Prozess, in dem Erfahrungen und frühere Bildentscheidungen fortwirken.
Neben ihrer Tätigkeit als bildende Künstlerin arbeitet Brodauf als Autorin. Ihre Texte über Kunst entstehen aus dem Interesse an Kommunikation und Austausch zwischen Werk, kunstschaffender Person und Rezipienten. Diese Beschäftigung mit Sprache wirkt auch auf ihre bildnerische Praxis zurück. In der Textfragmente, narrative Strukturen und assoziative Verknüpfungen eine bedeutende Rolle spielen.

Netzwerkorientierte Praxis
Ein wesentliches Merkmal des künstlerischen Selbstverständnisses von Julia Brodauf ist die Bedeutung kollektiver Strukturen. Sie ist Mitbegründerin des Berliner Kunstfestivals artspring berlin, das seit 2017 die Atelierlandschaft des Bezirks Pankow sichtbar macht und die Vernetzung von Künstlerinnen und Künstlern fördert. Ihre Tätigkeit als Kuratorin, Autorin, Hochschulmitarbeiterin und später als Atelierbeauftragte für Berlin versteht sie als Erweiterung künstlerischer Praxis in den öffentlichen und sozialen Raum hinein. Fragen kultureller Infrastruktur, künstlerischer Arbeitsbedingungen und der Sichtbarkeit von Kunst sind wiederkehrende Bestandteile ihres Wirkens.