Die intermediale Ausstellung MIKROTONAL ECHO richtet den Blick auf die leisen, mikrotonalen Stimmungen von Interaktionen. Janine Eisenächer, Daniela Fromberg, Harriet Groß und Steffi Weismann verbinden Klangkunst, Notation und Performance zu einem Zusammenspiel, in dem sich feine Abweichungen und Zwischentöne im Echo verstärken und so einen subtilen Kontrapunkt zum allgegenwärtigen Lärm bilden.
Akustische und skulpturale Elemente treten miteinander in Kommunikation und machen kleinste Verschiebungen erfahrbar. Dabei wird auch der Ausstellungsraum selbst zum Teil der Arbeit: Die beiden Räume mit ihrem weißen Marmorboden bilden ein klanglich ungewöhnliches, beinahe abweisendes Umfeld. Bewusst greifen die Künstlerinnen dies mit harten, hellen Materialien auf und lassen daraus eine spannungsreiche Beziehung zwischen Klang, Raum, Objekt und Körper entstehen.
Die hellen Keramikobjekte der Klangarbeit von Daniela Fromberg tragen ihren experimentellen Herstellungsprozess sichtbar in sich. Aus dünnen Oberflächen entstehen Hohlformen, die das Innen mit dem Außen verbinden. Die widerständige Fragilität dieses Materials wird durch die Soundebene aufgenommen und um eine raumfüllende Präsenz erweitert.
In Harriet Groß’ Gitternotation wird die Frage gestellt, wie Verunsicherung sich ihren Weg bahnt in unseren scheinbar so gesicherten Strukturen. Die Klänge der Pfeifen – sind es Sirenen oder Pan Pan Signale – locken die „Ratten der Lüfte“ mit ihrem vielstimmigen Gurren heran und setzen in das allgemeine Rauschen ihre Synkopen.
In ihren beiden Installationen und der gemeinsamen Performance MARBLE MARBLE spielen die Klangkünstlerinnen und Composer-Performerinnen Janine Eisenächer und Steffi Weismann mit verschiedenen Dingen des Alltags. Mit ihnen erkunden sie im Raum Oberflächen, Texturen und klangliche Materialeigenschaften, wobei dialogische Momente zwischen Aktivität und Stille entstehen.
MIKROTONAL ECHO macht für die Besucher*innen jene feinen Verschiebungen hör- und erfahrbar, die sich zwischen Material, Körper, Raum und Begegnung ereignen.
Verleihung des 13. Marianne-Werefkin-Preises 2025 am Dienstag, den 25. November 2025 um 18 Uhr in der Kommunalen Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176, 10713 Berlin
Der Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 engagiert sich seit mehr als 150 Jahren für die gleichberechtigte Teilhabe von Künstlerinnen in der Kunstwelt. Die Auslobung eines Kunstpreises für Frauen steht daher unmittelbar in der Tradition des Vereins, Künstlerinnen sichtbar zu machen und in ihrer Professionalität zu unterstützen. Zugleich wird an diesem Abend die Ausstellung mit den nominierten Künstlerinnen eröffnet. Sie wird bis zum 15. Februar 2026 zu sehen sein. Bereits zum zweiten Mal wird der Marianne-Werefkin-Preis in der Kommunalen Galerie Berlin ausgerichtet. Damit wird eine wichtige Initiative zur Förderung und Sichtbarmachung von professionellen Künstlerinnen in Berlin unterstützt. Als 1990 der Marianne-Werefkin-Preis vom Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 zum ersten Mal vergeben wurde, gab es deutschlandweit noch keine Auszeichnung ausschließlich für Künstlerinnen – es gehörten Weitsicht, Mut und Gestaltungswille dazu. Namenspatronin ist die Avantgardistin und Expressionistin Marianne von Werefkin (1860 – 1938). Zweck des Preises ist es, so die Vereinssatzung, „ […] die lange Tradition künstlerisch arbeitender Frauen und die Bedeutung ihres Werkes in Geschichte, Gegenwart und Zukunft im deutschen und internationalen Kulturkreis bekannt zu machen“.
SHORTLIST 2025: MEHTAP BAYDU /// NADINE FECHT /// BEATE GÜTSCHOW /// KÄTHE KRUSE /// HEIKE KABISCH /// ULRIKE MOHR Die Preisträgerin wird am Dienstag den 25. November 2025 um 18 Uhr, benannt. Das Preisgeld in Höhe von 5.000 € wird in diesem Jahr von Ute Gräfin von Hardenberg gestiftet, Ehrenmitglied und langjährige Erste Vorsitzende des Vereins. Die Veranstaltung steht zudem unter der Schirmherrschaft der Sammlerin und Mäzenin Julietta Scharf.
JURY 2025: Kerstin Grimm, Preisträgerin des 12. Marianne-Werefkin-Preises 2022 und Künstlerin des Vereins /// Dr. Sabine Ziegenrücker, Fachbereich Kunst und Geschichte – Leitung Museum Reinickendorf /// Dr. Almut Hüfler, freie Kuratorin & Autorin, HAUNT /// Harald Theiss, freier Kurator /// Dr. Elisa Tamaschke, Kuratorin, Leitung Ausstellungen, Forschung, Publikation Georg Kolbe Museum /// Dr. Thomas Köhler, Direktor Berlinische Galerie /// Veronika Witte, Künstlerin & Künstlerische Leitung Galerie Nord, Berlin /// Katharina Schilling, freie Kuratorin
Die Kriterien für den Preis bilden eine abgeschlossene, akademische Ausbildung an einer Hochschule für Bildende Kunst, Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Berlin und ein abgeschlossenes 45. Lebensjahr. Eine direkte Bewerbung von Künstlerinnen war ausgeschlossen.
Eröffnung & Preisverleihung: Dienstag, 25. November 2025 um 18 Uhr Begrüßung: Heike Schmitt-Schmelz | Bezirksstadträtin Charlottenburg-Wilmersdorf Barbara Höffer | Leiterin Fachbereich Kultur Charlottenburg-Wilmersdorf und Kommunale Galerie Berlin Cerstin Richter-Kotowski | Kulturstaatssekretärin der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt Einführung zum 13. Marianne-Werefkin-Preis 2025: Zuzanna Skiba I Künstlerin & Vorstand, Kuratorin der Ausstellung Preisverleihung des 13. Marianne-Werefkin-Preises: Ute Gräfin von Hardenberg | Ehrenmitglied & langjährige Vorsitzende des Vereins sowie diesjährige Preisstifterin Laudation zur Preisträgerin: Veronika Witte | Künstlerin, Jurymitglied & Künstlerische Leitung Galerie Nord, Berlin
Download der Einladungskarte mit Rahmenprogramm Downlaod der Pressebildliste der Nominierten
Wir gratulieren ganz herzlich und besonders
MEHTAP BAYDU zum 13. MARIANNE-WEREFKIN-PREIS 2025
Die Preisträgerin hat bereits 2013 innerhalb der Gruppenausstellung heute hier — bugün burada mit 22 Positionen im Haus am Kleistpark, Berlin in Kooperation mit dem Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 teilgenommen. Die Kuratorinnen waren Dr. Birgit Möckel und Özlem Cengel Götzelt. Schirmherr*in waren Prof. Dr. Rita Süssmuth und Cem Özdemir.
METHAP BAYDU „Long Neck“, 100 × 100 cm, Fine Art Print, gerahmt, 2015, Fotorechte: die Künstlerin
Rahmenprogramm und Laufzeit der Ausstellung vom 26.11.2025 – 15.02.2026
Mittwoch, 03. Dezember 2025 um 18 Uhr Gespräch: VdBK1867 & UdK Berlin Art Award 2025 „Über die Relevanz von Kunstpreisen“: mit Dr. Almut Hüfler | Jurymitglied & freie Kuratorin_frontviews_HAUNT Berlin Prof. Dr. Jörg Heiser | Dekan der Fakultät der Bildenden Kunst, Universität der Künste
moderiert von Zuzanna Skiba | VdBK1867_Künstlerin & Vorstand, Kuratorin der Ausstellung Anschließend Empfang mit Umtrunk.
Dr. Almut Hüfler ist freiberufliche Kuratorin und Autorin. Nach dem Studium der Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Anglistik (Promotion 2010) und akademischen Forschungs- und Lehrtätigkeiten arbeitete sie als Coach, Kommunikationstrainerin und Autorin im Bereich Bildende Kunst. Seit 2019 Kuration von Ausstellungen, seit 2023 Mitglied im Curatorial Board von frontviews e.V. / HAUNT. Im Jahr 2025 kuratierte sie unter anderem die Jubiläumsausstellung des Deutschen Künstlerbundes ‚Our Voices. Auf den Spuren bildender Künstlerinnen‘ im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen.
Zuzanna Skiba ist eine zeitgenössische Bildende Künstlerin. Aus der Schnittstelle zwischen Kunst und Kartographie entwickelt die Künstlerin konzeptuelle Werke, unterstützt vom Gedankengerüst eines Magnetfeldes, Luftbildes, der Geländeschraffur und läßt das Auge weiterdenken. Sie betrachtet die Welt mit topographischen, politischen und philosophischen Aspekten und agiert international. Die Künstlerin ist seit 2018 Mitglied beim Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 und seit 2024 in den fünfköpfigen Vorstand gewählt. Die Künstlerin hat eine Ausbildung zur Kartographin beim Landesvermessungsamt, Bielefeld und Luftbildauswertung in Bad Godesberg absolviert. Es folgte ein Kunst – Studium an der Hochschule für Gestaltung in Bielefeld, Kunstakademie Minerva, Groningen in den Niederlande, anschl. Philosophie + Kunst im Kontext an der UdK in Berlin. www.zuzannaskiba.com // https://de.wikipedia.org/wiki/Zuzanna_Skiba
Prof. Dr. Jörg Heiser ist Dekan der Fakultät Bildende Kunst und geschäftsführender Direktor des Instituts für Kunst im Kontext. Er war 20 Jahre lang Redakteur der internationalen Kunstzeitschrift frieze. Er co-kuratierte u.a. die Busan Biennale 2018 (Katalog), die Ausstellung Ernsthaft?! Albernheit und Enthusiasmus in der Kunst (Bundekunsthalle Bonn, Deichtorhallen Hamburg, Neue Galerie/Halle für Kunst Graz, 2022-24, Katalog), sowie die Kyiv Perennial (nGbK Berlin u.a., 2024). Zu seinen Büchern zählen u.a. Plötzlich diese Übersicht (2007) und Public Art. Das Recht auf Erinnern und die Realität der Städte (Hg., 2024). https://www.udk-berlin.de/person/joerg-heiser
Mittwoch, 14.Januar 2026 um 18 Uhr Live-Performance: SILENCE mit Mehtap Baydu | Künstlerin, 30 – 45 Minuten
Das Phänomen des Schweigens durchzieht wie ein unsichtbares Band das Gefüge menschlicher Interaktion, sei es in kleinen Gruppen, breiten Gesellschaftsschichten, politischen Arenen oder innerhalb von Minderheiten und Gendergruppen. Auf den ersten Blick mag Schweigen neutral erscheinen, doch bei genauerer Betrachtung entpuppt es sich oft als ein komplexes und vielschichtiges Konstrukt, das weit mehr als die bloße Abwesenheit von Worten beinhaltet. Besonders brisant wird es, wenn Stille den Eindruck scheinbarer Einstimmigkeit zu erwecken beginnt, einer trügerischen Oberfläche der Harmonie, unter der ein Meer unausgesprochener Meinungen, unterdrückter Ideen und ungelebter Identitäten brodelt.
Freitag, 16.Januar 2026 um 15 Uhr Buchvorstellung: Resistance, Flood, Fire, Resistance. mit Beate Gütschow | Künstlerin, Professorin für künstlerische Fotografie, Kunsthochschule für Medien Köln Norbert Wiesneth | Fotograf, Kurator Kommunale Galerie Berlin
Die Buchproduktion im Verlag Spector in Zusammenarbeit mit Felix Hoffmann I Kunst- und Kulturwissenschaftler, Artistic Director des FOTO ARSENAL WIEN Menschen am Abgrund, entvölkerte Gegenden, verwüstete Dörfer – bei Beate Gütschows Fotos wird erst auf den zweiten Blick deutlich, dass sie Protestveranstaltungen, Wiederaufbauarbeiten nach einer Flutkatastrophe oder die Folgen von Waldbränden in Ort- und Landschaften zeigen: dystopische Ereignisse, die in jüngster Zeit stattgefunden haben, und zwar in Mitteleuropa. Erst Wochen nach den Ereignissen kommt Beate Gütschow an die betroffenen Orte. In fotografischen Langzeitstudien entwickelt sie Gegenbilder zu den üblichen Katastrophendarstellungen. Es sind stillere Bilder, die einen emotionalen und analytischen Zugang ermöglichen. Gleichzeitig ist Gütschow Teil der Klimagerechtigkeitsbewegung. Hier dokumentiert sie teilnehmend und aufzeichnend Aktionen, Besetzungen und Demonstrationen: eine Innenperspektive, bei der die Fotografien mit tagebuchartigen Aufzeichnungen eine Bild-Text-Komposition bilden.
Mittwoch, 21. Januar um 18 Uhr Gespräch: „Die Bedeutung des Vereins der Berliner Künstlerinnen 1867 VdBK1867_heute“: mit Barbara Höffer | Leiterin Fachbereich Kultur Charlottenburg-Wilmersdorf und Kommunale Galerie Berlin Zuzanna Skiba | VdBK1867_Vorstand, Künstlerin und Kuratorin der Ausstellung Käthe Kruse | VdBK1867_Künstlerin & Präsidentin, IKG Internationales Künstlergremium Michael Krejsa | Leiter des Archivs Bildende Kunst der Akademie der Künste Berlin
Sonntag 15. Februar 2026 um 15 Uhr Finissage & Vortrag „Mit der Kunst leben“: mit Julietta Scharf | Sammlung Scharf-Gerstenberg & Schirmherrin des 13. Marianne Werefkin Preises 2025
SONDERAUSSTELLUNG in der Artothek: 26.11.2025 – 15.02.2026 Ab dem 26. November finden Sie parallel zur Ausstellung des Marianne-Werefkin-Preises eine Sonderausstellung der ehemaligen Preisträgerinnen und Nominierten in der Artothek der Kommunalen Galerie Berlin. Mit Werken von Valérie Favre, Franek, Harriet Groß, Anna Lehmann-Brauns, Herta Müller, Rebecca Raue, Hanna Hennenkemper, Regina Nieke, Angela Hampel und Karla Woisnitza.
Der Zugang zum Erdgeschoss & Artothek der Galerie ist barrierefrei. Zu den Räumen im 1.OG. bitten wir Sie, unsere Kolleg:innen für die Benutzung des Fahrstuhls anzusprechen. Die Galerie ist eine Einrichtung des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf, Fachbereich Kultur. Zu allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei.
Zum Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 – historisch & zeitgenössisch: Die Gründung des Vereins im Jahre 1867 war eine Pionierleistung von Künstlerinnen. Der Verein gründete 1893 die erste Kunstakademie für Frauen und unterhielt ein eigenes Haus in der Potsdamer Straße 98a. Künstlerinnen wie Käthe Kollwitz oder Paula Modersohn-Becker erhielten an der Zeichen- und Malschule des Vereins eine akademische Ausbildung. Diese war Frauen bis 1919 an den staatlichen Kunstakademien verwehrt. Der VdBK1867 trug entscheidend dazu bei, dass auch Frauen eine fundierte künstlerische Ausbildung, soziale Absicherung und Ausstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten erhielten. Nach langen Jahren ohne festen Vereinssitz hat der Verein heute in der Eisenacher Straße 118 in Berlin-Schöneberg eigene Ausstellungsräume und setzt sich mit einem regen Programm für die Präsenz und Gleichstellung von Berliner Künstlerinnen ein. Er pflegt zugleich sein kulturelles Vermächtnis und zeigt die Werke seiner historischen Mitglieder. Die aktuellen Künstlerinnen des VdBK1867 machen sich dafür stark, dass an ihre Vorgängerinnen nicht nur im Kontext ihrer zum Teil tragischen Schicksale erinnert wird, sondern dass ihre künstlerische Qualität und ihr aktiver Beitrag zur damaligen Kunstszene wahrgenommen werden.
Katalogpräsentation mit Talk Übungen im Freien am 7.4.2024 um 15:00 Uhr in der Eisenacher Straße 118, Berlin-Schöneberg
Hampelmänner im trockenen Wald – über die Widerständigkeit des Ephemeren an peripheren Orten Der Katalog Übungen im Freien von Ingeborg Lockemann und Elke Mohr ist erschienen!
Zu diesem Anlass unterhalten sich Ingeborg Lockemann und Elke Mohr mit Jeannette Brabenetz und Anna-Lena Wenzel über Strategien, Flüchtigkeit und Beständigkeit künstlerischer Aktionen im öffentlichen Raum. Beide waren am Projekt beteiligt: als Projektpartnerin und Autorin. Sie geben Einblick in unsere Arbeitsweise, den Entstehungshintergrund des Katalogs und diskutieren gemeinsam über Räume, die die Gesprächsteilnehmerinnen zu künstlerischen / kuratorischen Kommentaren herausfordern.
Ingeborg Lockemann und Elke Mohr: ÜBUNGEN IM FREIEN Mit Texten von Anna-Lena Wenzel und Peter Funken Design: Gestaltung Berlin Berlin 2024, 104 Seiten, 28,5 x 21cm, Softcover, Schweizer Broschur, Deutsch/Englisch Revolver Publishing, ISBN 978-3-95763-541-9 Gefördert durch die Stiftung Kunstfonds https://revolver-publishing.com/ubungen-im-freien-exercises-in-the-open.html
Lapin Lovers – Über Hasen mit Julia Brodauf, Hannah Dougherty, Niki Elbe, anna onno gatjal, Felix Müller, Anja Nolte
8. September – 8. Oktober 2023 VERNISSAGE: Donnerstag, 7. September 2023 • 18 – 22 Uhr ÖFFNUNGSZEITEN: Donnerstag – Samstag, 16 – 19 Uhr
VERANSTALTUNG: Samstag, 16. September, 18 Uhr Falscher Hase / Dinner Drawings An der langen Tafel und zu Hasentexten sind alle eingeladen, Hasen zu doodeln FINISSAGE: Sonntag, 8. Oktober • 13 – 16 Uhr mit Filmpräsentation Rabbits in the Woods
Im September ist im Projektraum des Vereins der Berliner Künstlerinnen 1867 eine wesenhaften Ausstellung zu sehen: In unterschiedlichen Medien dreht sich alles um das agile Langohr. Niki Elbe, Mitglied des Vereins, kuratiert eine Schau mit Kolleg:innen, in deren Werk Hasen eine Rolle spielen. Zu sehen gibt es Malerei und Zeichnung, Skulptur, Animation, Druckgrafik und Collage.
„Der Hase ist mein Symbol für einen Seelengefährten – und auch für diejenigen, die dessen Maske aufsetzen, um sich als solche auszugeben“ – so beschreibt die Kuratorin Niki Elbe das Wappentier ihrer Bildwelt. In ihren Skulpturen und Aquarellen taucht der Hase in vielerlei Gestalt auf, liegt schweräugig auf ihren Schultern oder verbirgt unter einer behäbigen Maske seine wahren Absichten.
„Für mich sind es Seismographen der Zeitgeschichte – am Hasen kann man ablesen, wie der Stand der Dinge ist“ ergänzt Anja Nolte. Ihr Hase ist ein digitaler – seine hellhörigen Ohren wippen im Takt einer endlosen Tanzbewegung, in die die Künstlerin das personenhohe Fabelwesen versetzt.
Hannah Dougherty macht ihre Faszination darüber deutlich, wie Künstler*innen und Publikum den Charakter des Kaninchens geformt haben: klug und oft erfüllt von einer Hybris. So fragt die Künstlerin, ob diese Eigenschaften eher als eine Projektion unserer selbst und weniger als Widerspiegelung ihrer tatsächlichen Eigenschaften gesehen werden? Sie untersucht dies in ihren zarten Zeichnungen und Collagen.
„Auf jeden Fall taucht er immer wieder auf, und das ist faszinierend“ stellt anna onno gatjal fest. Der Hase durchschwimmt die entscheidenden Stationen von Mythologie bis Kunstgeschichte (z.B. Dürer und Beuys) und lässt sich auch in ihrer Künstlerinnenbiographie zwischen Skulptur und Chaos Computer Club an entscheidenden Stationen blicken. Sie hat ihn in Porzellan, Keramik und nicht zuletzt in Marmor verewigt.
Hase oder Kaninchen? „Das Tier in seiner Flauschigkeit eignet sich für Interpretationen auch von Zuneigung, weil es keine Geräusche macht und kaum eine Mine verzieht“ meint Julia Brodauf. In ihren malerischen Collagen wird der Hase umarmt – was das Tier davon hält, bleibt unklar.
Dass die Beziehung zwischen Mensch und Tier eine ambivalente ist, zeigt sich auch in den Siebdrucken von Felix Müller. Hier ist das Tier ganz klar ein gruseliges, eine Fratze, ein bedrohliches Wesen. Der Hase als kulturelles Phänomen eignet sich natürlich für Wortspiele, Kindheitserinnerungen, Zitate und Bezüge – mit Spielfreude nehmen die Künstler:innen das Thema zu verschiedenen Veranstaltungen auch während der Berliner artweek auf.
Vielleicht ist der Hase auch einfach unbesiegbar, meint die Kuratorin.
Rabbits in the Woods
Dieser Film ist ein gemeinsames Kunstprojekt der Künstler*innen der Ausstellung RABBITORIUM im Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V. Der Film wurde 2023 während der Ausstellungszeit in den Wäldern Berlins gedreht. Konzept, Idee, Hauptregie, Kamera, Filmschnitt, Sounddesign und Produktion von Anja Nolte. Schauspieler und Regisseure in the Woods: Niki Elbe, Julia Brodauf, David Brodauf, anna onno gatjal und Felix Müller. Besonderen Dank an Sandra!
Ein offenes Ausstellungsprojekt des Verein der Berliner Künstlerinnen 1867
4. August – 3. September 2023 VERNISSAGE mit Pop-up Lesung: Donnerstag, 3. August 2023 • 18 – 22 Uhr ÖFFNUNGSZEITEN: Donnerstag – Samstag, 16 – 19 Uhr FINISSAGE: Sonntag, 3. September • 16 – 19 Uhr
Die Projekträume des Vereins der Berliner Künstlerinnen 1867 werden zur Raumbühne, basierend auf dem Konzept der Mail Art. Handschriftliches auf Papier versammelt sich zu einem Papiergeschwader gegen das Verschwinden der persönlichen Handschrift in Zeiten von KI.
Die Möglichkeiten, die Künstliche Intelligenz und Chatbots bieten, fördern die geradezu inflationäre Nutzung automatisierter Schreibprogramme. In der medialen Auseinandersetzung mit dieser maschinellen Textproduktion und -reproduktion, die radikale Veränderungen für unsere Gesellschaft mit sich bringen wird, fehlt uns die Beschäftigung mit der Bedeutung unserer Handschrift für unser kreatives Denken, die motorische Entwicklung, unsere künstlerische Identität und vor allem als Ausdruck unserer Persönlichkeit.
Ist die Handschrift eine aussterbende Art? Oder ist es gerade jetzt wichtig, sich in die von Vereinfachungs- und Effizienzgedanken getriebene Digitalisierungsdebatte mit der eigenen Hand, einer Notiz, einem Grußwort oder einer Manuskriptseite EINZUSCHREIBEN?
Die Gruppenausstellung EINSCHREIBEN stellt die Frage, was verschwindet, wenn wir damit aufhören, unseren Worten nicht mehr per Hand Aus- und Nachdruck zu verleihen. Die Räume des Vereins werden zu einer Raumbühne, in der im Laufe der Ausstellung ein kreatives „Papiergeschwader“ wachsen wird, basierend auf dem Konzept der „Mail Art“ und dem Wunsch nach einem offenen Kommunikationsraum. Im Laufe der Ausstellung wird der Ort mit Notizen versehen: Die (kreative) Nachbarschaftdes Projektraums und alle Gäste sind eingeladen, sich in unserem Raum EIN ZU SCHREIBEN und dazu beizutragen, vielfältige und kreative Zeichen gegen das drohende Verschwinden zu setzen …
Susanne Schirdewahn, die Kuratorin der Ausstellung, präsentiert zur Vernissage in einer Pop-up Lesung ein handgeschriebenes Potpurri.
Am Sonntag, den 3. September 2023 ab 16 Uhr laden wir zur Finissage im großen Raumbild ein.
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