Im Zusammenspiel aus Klangkunst, Notation und Performance lenken Janine Eisenächer, Daniela Fromberg, Harriet Groß und Steffi Weismann den Fokus auf die leisen mikrototalen Stimmungen zwischenmenschlicher Begegnungen, die sich im Echo verstärken.
Mikrotonal Echo greift die Vielstimmigkeit des gesellschaftlichen Zusammenlebens auf. Akustische und skulpturale Elemente gehen miteinander in Kommunikation und spüren den kleinen Abweichungen und Zwischentönen dieses komplexen Gebildes nach. Die beiden Ausstellungsräume bieten mit ihrem weißen Marmorboden ein klanglich sehr spezielles Umfeld, das bewußt von den Künstlerinnen Daniela Fromberg und Harriet Groß mit ihren ebenfalls harten und hellen Materialien in Form von keramischen Objekten und Metallgitternotationen aufgegriffen wird. In dieser scheinbar abweisenden Umgebung wird der Fokus über Klangskulpturen und Soundexperimente auf die leisen mikrototalen Stimmungen zwischenmenschlicher Begegnungen gelenkt, die sich im Echo verstärken und trotz ihrer Feinheit einen deutlichen Kontrapunkt zum alles umgebenden Lärm erzeugen.
Mit MARBLE MARBLE spielen die Klangkünstlerinnen und Composer-Performerinnen Janine Eisenächer und Steffi Weismann mit verschiedenen Dingen des Alltags und erkunden im Zusammenspiel mit dem Raum und dem Publikum deren Oberflächen, Texturen und klangliche Materialeigenschaften. Der Ausstellungsraum wird dabei in einen Hörraum verwandelt. Durch performative musikalische Intervention wird eine weitere Facette beleuchtet und die Umgebung in eine vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema einbezogen.
Vernissage: Donnerstag 6. August, 18 Uhr Begrüßung: VdBK 1867 Vorstand, Zuzanna Skiba Einführung: Dr. Helen Adkins, Nachlassbetreuerin, Kuratorin der Ausstellung
Führungen: Dr. Helen Adkins, Nachlassbetreuerin und Kuratorin der Ausstellung zusammen mit Dietmar H. Heddram, dem langjährigem Partner von NÄNZI:
Samstag, 08. August um 17 Uhr Samstag, 15. August um 17 Uhr Samstag, 22. August um 17 Uhr Samstag, 29. August um 17 Uhr
Finissage: Samstag 5. September, 14–19 Uhr
Öffnungszeiten: Do–Sa.16–19 Uhr + n. V. Kontakt: +49 30 2161585 / helen@helenadkins.de
Die Einladung des VdBK 1867, die Bildhauerin NÄNZI in einer Soloausstellung zu zeigen, ist eine besondere Auszeichnung. NÄNZI, die nicht Mitglied war, wurde 30 Jahre lang für ihre besondere Persönlichkeit und einzigartige Kunst in der Berliner Szene als Edelpunkerin und Bildhauerin geschätzt.
Schon früh entdeckte NÄNZI Kunst als Lebensprinzip. Als sie 1983 nach Westberlin kam, war sie Teil der ausgefallenen Punkszene, die ihre Gesinnung bis zuletzt prägte. Sie studierte Bildhauerei an der Hochschule der Künste bei Joachim Schmettau.
Minna muss zum Film ist ein bekanntes Lied der Berliner Kabarettsängerin Claire Waldoff aus dem Jahr 1931. Das Lied erzählt der Geschichte der Hausangestellten Minna, die ihre Anstellung aufgibt, um ein großer Filmstar zu werden. Bei NÄNZI ist Minna zu einer Schwarzwaldbäuerin mutiert.
Claire Waldoff. Minna muß zum Film (1931) Ick muß zum Film ick habe doch Talent In meinem Busen fühle ich’s mächtig wogen Das ist das heilije Feuer, det da brennt Ick hab Talent – wahrhaftich unjelogen
NÄNZI thematisiert Schmerz und Gewalt an Frauen aus weiblicher Perspektive und ganz zeitgenössisch durch figürliche Plastik. Die Dargestellten sind aus dem Leben gegriffen und mythisch aufgeladen. Anstatt männliche Eroberer und Märtyrer, formte sie ein Kanon weiblicher Entschlossenheit und Willensstärke.
Wenn ich schwach bin, bin ich stark, eine Zeile des Paulus aus dem Neuen Testament, steht für Hoffnung. Es ist ein Zitat unter vielen, das NÄNZI in ihre Kunst eingebettet hat. Bei ihr werden diese Worte allerdings als Zitat der Grimm’schen Märchenfigur Schneewittchen genannt.
Themenschwerpunkt der Ausstellung ist der Ungehorsam von Frauen. Es werden rund 40 Arbeiten inklusive Wandinstallationen gezeigt. Die Präsentation wird einen Bogen spannen zwischen dem Frühwerk der Punkerin und den späteren bekleideten, frisierten und geschminkten naturalistischen Figuren aus Gips und Beton.
Erotik, Weiblichkeit und Gewalt sind große Themen der Menschheit, die in antiken und indigenen Plastiken gefasst wurden. NÄNZI hat sie aktuell und kompromisslos behandelt. 30 Jahre ihres Wirkens in Berlin fanden noch keine museale Würdigung.
Christel Fetzer, Irène Hug, Inken Reinert, Anke Völk kuratiert von Irène Hug
Ausstellung: 4. Juli – 2. August 2026 Eröffnung: Freitag, 3. Juli, 18 Uhr Begrüßung: VdBK1867_Vorstand
Finissage: Sonntag, 2. August 14 – 18 Uhr
Öffnungszeiten: Donnerstag – Samstag 16 – 19 Uhr
Bei dieser Ausstellung im Projektraum des Vdbk 1867 soll die Gelegenheit genutzt werden, raumgreifende Arbeiten zu realisieren, die nicht einem verkaufbaren Wert dienen müssen wie in einer kommerziellen Galerie. Um mit den spezifischen Eigenschaften des Ausstellungsraums – etwa dem dominanten Marmorboden, den zahlreichen Nischen und den Durchgängen – umzugehen, bedarf es eines besonderen Setups.
Die Arbeiten der vier Künstlerinnen nutzen den vorgegebenen Raum jeweils auf unterschiedliche Weise und beziehen ihn aktiv ein, sodass er Teil der Arbeit wird – oder umgekehrt die Arbeiten Teil des Raums. Der Titel »Reset the Setup« verweist sowohl formal als auch inhaltlich auf ein Umstellen, Umdenken oder einen Neubeginn der vorgefundenen Situation und Anordnung im Allgemeinen und der hier räumlichen Konstellation im Besonderen.
Inken Reinert und Irène Hug verwenden für ihre Installationen Fundstücke aus dem Alltag: Straßenfunde wie Überreste von nicht mehr gebrauchten Gegenständen, Möbel, Industriemüll und vieles mehr. Die Dinge können als Relikte ideologischer und gesellschaftlicher Systeme gelesen werden, und zwar sowohl aus ost- als auch westdeutschen Kontexten, wie bspw. der Idee von grenzenlosem Wachstum, Konsumversprechen und sozialem/ sozialistischem Fortschritt. Ebenso waren sie selbst einst autonome Objekte, für die ein/e Gestalter*in jeweils ein spezifisches Design entwickelt hat. Ästhetik und Verwendungszweck sollen sich darin vereinen gemäß der Formel: Form follows function.
Die Objekte fungieren einerseits als Erinnerungen ihrer Zeit, andererseits erzeugen sie durch ihre Neu-Anordnung eine eigenständige Ästhetik und entwickeln eine neue künstlerische Aussage. The material is the message. In diesem Sinne werden Reste und Überbleibsel zu Symbolen dessen, was eines Tages wieder aufgebaut werden könnte.
Auch die Akkumulation – das Sammeln und Anhäufen von Vorhandenem statt einer permanenten Neuproduktion – ist ein bewusst gesetztes Statement. Sie versteht sich als Gegenentwurf zu einer Logik des unbegrenzten Wachstums und der fortwährenden Warenproduktion.
Bei Christel Fetzers Arbeit wird die Baustelle vor dem Ausstellungsraum zum Resonanzraum der Installation. Rot-weiße Absperrungen, die den öffentlichen Raum neu ordnen, finden im Inneren ihre Entsprechung. Linien, Flächen und Farbfelder treten aus ihrer funktionalen Rolle heraus und entwickeln eine eigene räumliche Präsenz. Die Installation setzt fort, was draußen begonnen hat: Sie markiert, lenkt, trennt und verbindet. Der Ausstellungsraum wird so zu einem Echo des Stadtraums – und der Stadtraum zu einer Erweiterung der Ausstellung.
Das strukturierte Ensemble wird bei Anke Völk völlig aufgelöst. Freie, schwungvolle Formen sind mit sehr breitem Pinselstrich direkt an die Wand gemalt. Sie schafft durch diese sichtbar gemachte Bewegung eine weitere Dimension in den Raum. Die aufgetragene Farbe schimmert verführerisch durch die Verwendung irisierender Pigmente. Die abstrakte Malerei erscheint lapidar konkret durch einfache und zugleich komplexe Elemente im Zusammenspiel von Farbe und Bewegung.
christelfetzer.de Instagram: christelfetzer Christel Fetzers ortsspezifische Installationen bewegen sich an der Schnittstelle von Malerei, Skulptur und Raum. Aus industriell gefertigten und zugleich manuell bearbeiteten Holzstrukturen entwickelt sie Arbeiten, die sich konventionellen Gattungszuordnungen entziehen. Minimalistisches Materialbewusstsein verbindet sich dabei mit konzeptueller Klarheit.
An die Stelle des klassischen malerischen Gestus tritt die Auseinandersetzung mit vorgefertigten Materialien wie Lack, Kunststofffolie, Klebeband, Neonlicht undunter-schiedlich bearbeiteten Holzoberflächen. Farbe erscheint nicht mehr ausschließlichals aufgetragene Schicht, sondern entfaltet sich im Zusammenspiel von Material, Form und räumlicher Situation. Fläche wird zum Objekt, das Objekt zum Träger malerischer Prozesse.
Durch die präzise Setzung ihrer Elemente entstehen Arbeiten, die den umgebenden Raum aktiv einbeziehen. Oberflächen reflektieren Licht, markieren Grenzen und erzeugen visuelle Verschiebungen. So entsteht eine Spannung zwischen Zweidimensionalität und Körperlichkeit, zwischen industrieller Produktion und individueller Bearbeitung.
irenehug.com instagram: hug_irene Die Installation ist eine Assemblage aus grau beschichteten Paneelen, Resten von Baumaterial, Fliesen und Fotoprints von Straßenszenen und Häuserfassaden. Darüber sind unterschiedlichste zusammengefundene Buchstaben aus ehemaliger Außenwerbung montiert. Sie bilden den Schriftzug: Club of Remains. Das Ensemble ist fast vollkommen über eine Fensternische des Ausstellungsraumes gebaut. Nur ein kleines Stück Fenster bleibt sichtbar. So ist kaum noch zu erkennen, ob es real existiert, oder ein eingesetztes Teil der Komposition ist.
Vor der „Wandverkleidung“ auf dem Boden liegt eine große Fläche eines Musters mit 3D Optik. Es handelt sich um ein in der Renaissance oft verwendetes einfaches Gestaltungs-element mit großer Wirkung. Die Fläche ist ein gefundener hellgrauer Teppich auf dem das Muster mit rotbraun und schwarzer Farbe aufgetragen wurde.
Auf einem weiteren raumhohen Fotoprint einer Straßenszene ist eine Treppe von oben zu sehen: Dominierend sind die sich wiederholenden waagrechten, senkrechten und diagonalen Flächen. Die Stufen sind in verschiedenen Farbtönen gestrichen; eine so vorgefundene „Malerei“ auf der eine Frau die Treppe hoch läuft. Ein weiteres Objekt ist eine Montage aus verschiedenen Fundstücken: Baumaterial, Industrieprodukte, Haushalts-dinge, die täglich auf den Straßen zu finden sind. Sie können als einzelne Buchstaben erkannt werden und formen bei aufmerksamer Beobachtung die Worte: DAILY NEWS. Im Widerspruch zur inhaltlichen Aussage der täglichen Neuigkeiten soll das Objekt jedoch stets unverändert stehen bleiben, im Gleichgewicht, und das, obwohl seine Statik äußerst fragil ist.
inken-reinert.de Instagram: inkenreinert Die Arbeit past present besteht aus Teilen demontierter DDR Schrankwände und Küchenmöbel. Es sind Überreste vorheriger Installationen und neu dazu gekommene, z.T. vor Ort gesammelte Teile, die sie zu einem Gefüge anordnete, das sich aus unterschiedlichen Inspirationsquellen speist: vor allem aber aus ihren Beobachtungen der Transformationen, die im öffentlichen wie im privaten Raum im ehemaligen Ostdeutschland seit der Wende stattgefunden haben.
Durch das Zerschneiden, Neu-Anordnen und Collagieren dieser Möbel-Relikte bezieht sie sich auf uneingelöste Utopien des 20 Jahrhunderts. Was passiert mit dem Versprechen auf kollektives Glück und Funktionalität, wenn die dazugehörigen Räume und Objekte längst zerfallen oder demontiert sind?
In Anlehnung an Steffen Maus Analyse in „Lütten Klein“ begreift Inken Reinert ihre Arbeit mit Möbeln aus DDR-Produktion als Auseinandersetzung mit den „gesellschaftlichen Frakturen“ der Nachwendezeit. Mau beschreibt die Transformation Ostdeutschlands nicht als linearen Übergang, sondern als eine Abfolge von Brüchen, die sich tief in Biografien und soziale Gefüge eingeschrieben haben.
Für die Ausstellung „Reset the Setup“, entwickelt sie die Installation past present als offenes System weiter, in Reaktion auf die räumliche Situation des Ausstellungsortes. Die Installation ist kein singuläres Objekt, sondern eine Abfolge von Zuständen – ein Prozess, in dem sich gesellschaftliche, materielle und räumliche Brüche immer wieder neu artikulieren.
anke-voelk.de Instagram: anke_voelk Anke Völk arbeitet mit breiten Pinselstrichen, die die Fixiertheit und Starrheit eines Bildes auflösen, in dem die Bewegung der Pinselführung, durch das Auge der Betrachtenden zwangsläufig nachvollzogen wird. Gleichzeitig entstehen neue, autonome und abstrakte Formen, die wiederum fixiert auf der Malfläche erscheinen. Dieses formale Paradox wird durch die Verwendung irisierender Pigmente zusätzlich verstärkt, deren schimmernde Oberflächen verführerisch in den Raum ausstrahlen.
Lapidar konkret erscheint die abstrakte Malerei: einfache, zugleich komplexe Elemente, im Zusammenspiel mit Farbe und Bewegung. Grundsätzlich wird das Medium der Malerei in Anke Völks Werk befragt. Grenzen, Ausdruck, Erscheinungsmöglichkeiten. Optische Annäherung an technische Verfahren und doch analog durch Malerei erzeugte Elemente erweitern oder ergänzen ein tradiertes Bild von Malerei. Oder besser gesagt die Erzeugung von Bildern durch malerische Mittel, die sich nicht festlegen lassen wollen.
Die Arbeiten behaupten ihre Autonomie in direktem Bezug zur Person der Künstlerin und bleiben somit direkt mit ihr verbunden. Alle Einflüsse, die sich in der Malerei ihren Ausdruck suchen, werden somit zuerst als bewusste Wahrnehmung verstanden, bevor sie Einzug in der Umsetzung ins Bild finden. Auch gehört zu diesen bewusst wahrgenommenen Einflüssen durchaus der Kontext, in dem Arbeiten entstehen. Also Ort, Raum, Dimension. Diese Kategorien beeinflussen Völks Arbeiten in ihrer performativen Herangehensweise unterschiedlich und definieren die Wahl des Bildträgers, Ausführung und die Farbigkeit von Anke Völks Arbeiten maßgeblich.
Die 12 neuen Künstlerinnen des Vereins präsentieren sich.
Ausstellung vom 29. Mai bis 28. Juni 2026
Julia Brodauf | Paula Carralero Bierzynska | Anna Fiegen | Sylvia Henrich | Bettina Hutscheck | Petra Lottje | Anja Nolte | Birgit Schlieps | Anja Spitzer | Birgit Szepanski | Maria Vedder | Veronika Witte
Vernissage: Donnerstag, 28. Mai 2026 um 18 Uhr Begrüßung: Vorstand Verein der Berliner Künstlerinnen 1867
FILMABEND am Donnerstag, 4. Juni um 19.30 Uhr NEBENAN: MICHA, Portrait, 61 Min, 2025 Regie: Petra Lottje mehr zum Film weiter unten
Finissage: Sonntag, 28. Juni von 16 bis 18 Uhr HerStory-Walk mit Birgit Szepanski Start um 18Uhr abgesagt! Treffpunkt : VdbK1867_Projektraum, Eisenacher Straße 118, 10777 Berlin Dauer: 1 Stunde Spaziergang rund um die Eisenacher Straße mehr zum HerStory-Walk weiter unten
16 Uhr: Führung durch die Ausstellung & Gespräche mit den Künstlerinnen
Nach 3 Jahren Pause hat der Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 wieder ein kurzes Zeitfenster für das Bewerbungsverfahren eingeläutet und nun ganz aktuell 12 NEUE Künstlerinnen aufgenommen. Die Kriterien für die Aufnahme waren: Der Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ausschließlich in Berlin, mindestens 5 Jahre nachweisbare professionelle Arbeits- und Ausstellungstätigkeit nach Abschluss der künstlerischen Ausbildung. Die Welcome_Ausstellung zeigt die NEUEN POSITIONEN, die teilweise schon lange die zeitgenössische Berliner Kulturlandschaft formen und eine komplexe, wie interdisziplinäre eigene Sprache ebenso im internationalen Kunstgeschehen nachweisen. Gesellschaftliche Themen wie Identität oder Verortung werden individuell behandelt und die authentische künstlerische Sprache als das Sprachrohr des Zeitgeistes präsentiert.
ORT: Showroom Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 Eisenacher Straße 118 (Erdgeschoss!), 10777 Berlin
ÖFFNUNGSZEITEN: Donnerstag – Samstag, 16 – 19 Uhr
ÖPNV ANBINDUNG: U1/U2/U3 Nollendorfplatz 600 m • U7 Eisenacher Straße 1200 m • Bus M19/M29 An der Urania 350m
FILMABEND am Donnerstag, 4. Juni um 19.30 Uhr NEBENAN: MICHA, Portrait, 61 Min, 2025 Regie: Petra Lottje
„Der Nachbar, der Maler, der Tätowierte ohne Führerschein, der lieben konnte und Musik mag, der Länder bereist hat und sein Schicksal stets annahm. Und niemals sollte man Kinder zum Einkaufen schicken!“ (K. Lottje) Das Leben meines West-Berliner Nachbarn (*1950) ist geprägt von Brüchen,Verlusten und Neuanfängen, begleitet von einer bemerkenswerten inneren Haltung. In den Pausen, beim Atemholen und im beiläufigen Humor offenbart sich seine Kraft und Lebensweisheit. Er spricht über Liebe, die Zerbrechlichkeit von Gesundheit, Tod, Einsamkeit in der Kindheit und den Abstieg ins Drogenmilieu – und die Wendung in seinem Leben, erreicht durch einen Wandel der inneren Haltung! Kein Urteilen, nur Zuhören. Es entwickelt sich eine Reflexion über Generationen, Vereinzelung und die stille Kraft von Würde, Humor und Menschlichkeit.
HerStory-Walk mit Birgit Szepanskiam Sonntag, 28. Juni (Finissage) Start um 18 Uhr abgesagt! Treffpunkt : VdbK1867_Projektraum, Eisenacher Straße 118, 10777 Berlin Dauer: 1 Stunde Spaziergang rund um die Eisenacher Straße
Der HerStory-Walk führt vom Ausstellungsraum in die unmittelbare urbane Umgebung. Die Künstlerin Birgit Szepanski stellt im Spaziergang Künstlerinnen vor, die mit Orten im Kiez verbunden sind, wie beispielsweise die Tänzerin und Schauspielerin OLGA DESMOND (1890 -1964) mit dem ehemaligen Schauspielhaus Metropol, JEANNE MAMMEN, Malerin, Zeichnerin (1890 -1976, hat als Gast ebenso beim VdBK1867 mitgewirkt ) mit dem Nollendorfplatz und ELSE LASKER SCHÜLER, Zeichnerin und Dichterin (1869- 1945) mit der nach ihr benannten Straße. Der HerStory-Walk endet wieder am Projektraum des Vereins der Berliner Künstlerinnen 1867.
Ines Doleschal, Berlin – Zeichnungen, Collagen Veronika Kaiping, Dessau – Keramik, Illustration Verena Kyselka, Berlin – Videoinstallation Anja Wolf, Dessau – Collagen, Textil Angela Zumpe, Berlin – Fotografie
Vernissage: Donnerstag, 16. April 2026 um 18 Uhr Begrüßung durch N.N. Einführung in die Ausstellung: Ines Doleschal (Künstlerin und Kuratorin)
Ausstellungsführungen mit Ines Doleschal Samstag, 25. April 2026, 17 Uhr sowie Freitag, 1. Mai 2026, 17 Uhr (Gallery Weekend)
Das »Neue Sehen« und Studieren in Dessau Angela Zumpe berichtet von Erfahrungen und Perspektiven der Lehre am Standort Dessau. Samstag, 18. April 2026, 17.00 Uhr
Finissage: Sonntag, 17. Mai 2026 von 14-18 Uhr Anja Wolf initiiert als „FrauBauhaus“ im Kostüm einen lebendigen zeitgenössischen Blick auf das Frausein und die abstrakten Kostümideen des historischen Bauhauses
Anlässlich des Jubiläumsjahres des Umzugs des Bauhauses von Weimar nach Dessau 1925/26 zeigt der Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V. unter dem Titel Gegen den Strich – Künstlerinnen* am Bauhaus eine fokussierte Präsentation von Werken dreier Berliner und zweier Dessauer Künstlerinnen, die sich mit dem Leben und Werk von Frauen am Bauhaus beschäftigen.
Nachdem Frauen jahrhundertlang der Zugang zu den Kunsthochschulen verwehrt war, konnten sie sich mit Beginn der Weimarer Republik für ein Kunststudium entscheiden. Großer Anziehungspunkt war das von Walter Gropius 1919 in Weimar gegründete Staatliche Bauhaus, das in seinem Programm Innovation und Gleichberechtigung versprach: „Als Lehrling aufgenommen wird jede unbescholtene Person ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, deren Begabung und Vorbildung vom Meisterrat als ausreichend erachtet wird.“ hieß es in der Gründungsakte. Doch schon bald fürchtete Gropius, dass die große Anzahl von Frauen dem Ansehen der Schule schaden würde. Er forderte eine „scharfe Aussonderung gleich nach der Aufnahme, vor allem bei dem der Zahl nach zu stark vertretenen weiblichen Geschlecht“. Damit war der Weg der jungen Frauen vorgezeichnet: Sie mussten ihre Ausbildung in der Werkstatt für Weberei absolvieren.
Viele Bauhauskünstlerinnen widersprachen dem von Gropius und seinen Meistern propagierten Frauenbild in ihrem konkreten Handeln: Lucia Moholy, Otti Berger und Grete Stern beispielsweise experimentierten und forschten formal und inhaltlich unabhängig von Konvention und Tradition, eigneten sich außerhalb ihrer Ausbildung Expertise an und wurden erfolgreiche Geschäftsfrauen. Doch trotz ihrer herausragenden Leistungen verblieben die Absolventinnen des Bauhauses bis auf wenige Ausnahmen in Forschung, Literatur und Ausstellungspraxis bis heute im Schatten der männlichen Kollegen.
Während die Dessauer Bauhaus-Stiftung ihr Jubiläum unter dem Titel „An die Substanz“ den Baustoffen und Materialien der Moderne widmet, geht es den Künstlerinnen Ines Doleschal, Veronika Kaiping, Verena Kyselka, Anja Wolf und Angela Zumpe um die (weiblichen) Persönlichkeiten und ihre herausragenden künstlerischen Leistungen am Bauhaus vor 100 Jahren. Die vorliegenden Arbeiten in Gegen den Strich – Künstlerinnen* am Bauhaus sind zeitgenössische Reflexe und Interpretationen auf Werke und Lebensrealität der Frauen, die in Dessau gelebt, gelehrt oder studiert haben – genau wie Doleschal, Kaiping, Kyselka, Wolf und Zumpe selbst.
In ihren Collagen und Zeichnungen interpretiert die Berliner Künstlerin, Co-Initiatorin des Aktionsbündnisses fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen* e.V. und Mitglied des VdBK 1867 e.V. Ines Doleschal mit Faserstift, Pinsel und Skalpell die experimentellen Form- und Farbgestaltungen der Weberinnen neu. Die frühen Teppichentwürfe von Gertrud Arndt oder Anni Albers in ihrer Vorwegnahme von minimalistischer oder konkreter Kunst faszinieren die Künstlerin ebenso wie das verwirrende Spiel von Kett- und Schussfäden, das sie zeichnerisch nachempfindet.
Die in Dessau lebende Künstlerin Veronika Kaiping studierte Design an der Hochschule Anhalt in unmittelbarer Nähe zum Bauhaus Dessau. In ihren keramischen und grafischen Arbeiten setzt sie sich mit den Lehrkonzepten des historischen Bauhauses auseinander, die sich im Spannungsfeld zwischen Kunst und Handwerk bewegten. Besonders interessiert sie die Situation der Bauhaus-Studentinnen und deren Alltag innerhalb der Institution. In ihren Arbeiten verbindet Kaiping historische Perspektiven mit ihren eigenen Erfahrungen.
Die Videoinstallation „Die Frauenklasse“ der Berliner Künstlerin Verena Kyselka verweist zugleich unterhaltsam und kritisch auf das Kollektiv der Weberinnen am Bauhaus. Kyselkas Arbeiten beschäftigen sich mit den vielstimmigen Lebenswelten und Selbstverständnissen von Frauen – im besonderen Bewusstsein von Repressionen und Diskriminierung, die Kyselka selbst als Künstlerin des Underground und Mitglied der Künstlerinnengruppe Exterra XX in Erfurt in den 1980ern erlebte.
Wie Kaiping lebt und arbeitet auch die Künstlerin Anja Wolf in unmittelbarer Nähe zum Dessauer Bauhaus. Sie reflektiert ihr persönliches Wirken an dieser Institution in den Jahren 2006-2016, in denen sie an den berühmten jährlich stattfindenden Bauhaus-Festen mitarbeitete und Kostüme und Installationen entwickelte. Ihre Collagen und ihr Kostümexperiment, das sie performativ zum Einsatz bringt, sind eine Referenz an die Künstlerinnen des Dessauer Bauhauses vor 100 Jahren.
Angela Zumpe lehrte von 1998 – 2019 am Department of Design der Hochschule Anhalt als Professorin für Audiovisuelle Medien. In ihren fotografischen Re-Inszenierungen der jüngeren Zeit thematisierte sie Fragen von Macht und Repräsentation von Frauen in berühmten Werken weiblicher Kunstgeschichte. Nach einer intensiven Auseinandersetzung über Lucia Moholy und ihren Kontext nähert Zumpe sich jüngst dem Werk und Leben der Bauhaus-Fotografinnen Grete Stern und Ellen Auerbach.
Obwohl den fünf Künstlerinnen eine ästhetische Reflexion und Neuinterpretation der Werke der Bauhaus-Künstlerinnen wichtig ist, möchten sie in ihren künstlerischen Annäherungen auch kritische und unbequeme Fragen zu stellen: Wie gendersensibel ist der heutige Bauhaus-Diskurs? Werden die blinden Flecken aufgearbeitet oder wird Design- und Architekturgeschichte wie bislang männerzentriert fortgeschrieben? Wie sieht die Lebenswirklichkeiten von Künstlerinnen heute aus vis-à-vis jener von vor 100 Jahren in Weimar, Dessau und Berlin? Und mit welchen strukturellen Hürden und patriarchalen Vorurteilen sind Künstlerinnen, vor allem jene mit Sorgeverantwortung, heute noch konfrontiert?
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