Ines Doleschal, Kette und Schuss #7, 2023, Tusche, Acryl auf Papier (Collage), 32 x 24 cm (©Doleschal/VG Bild-Kunst)
Ines Doleschal, Kette und Schuss #7, 2023, Tusche, Acryl auf Papier (Collage), 32 x 24 cm (©Doleschal/VG Bild-Kunst)

Ausstellung vom 17. April -17. Mai 2026

Ines Doleschal, Berlin – Zeichnungen, Collagen
Veronika Kaiping, Dessau – Keramik, Illustration
Verena Kyselka, Berlin – Videoinstallation
Anja Wolf, Dessau – Collagen, Textil
Angela Zumpe, Berlin – Fotografie

Vernissage: Donnerstag, 16. April 2026 um 18 Uhr
Begrüßung durch N.N.
Einführung in die Ausstellung: Ines Doleschal (Künstlerin und Kuratorin)

Ausstellungsführungen mit Ines Doleschal
Samstag, 25. April 2026, 17 Uhr sowie
Freitag, 1. Mai 2026, 17 Uhr (Gallery Weekend)

Das »Neue Sehen« und Studieren in Dessau
Angela Zumpe berichtet von Erfahrungen und Perspektiven der Lehre am Standort Dessau.
Samstag, 18. April 2026, 17.00 Uhr

Finissage: Sonntag, 17. Mai 2026 von 14-18 Uhr
Anja Wolf initiiert als „FrauBauhaus“ im Kostüm einen lebendigen zeitgenössischen Blick auf das Frausein und die abstrakten Kostümideen des historischen Bauhauses

Anlässlich des Jubiläumsjahres des Umzugs des Bauhauses von Weimar nach Dessau 1925/26 zeigt der Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V. unter dem Titel Gegen den Strich – Künstlerinnen* am Bauhaus eine fokussierte Präsentation von Werken dreier Berliner und zweier Dessauer Künstlerinnen, die sich mit dem Leben und Werk von Frauen am Bauhaus beschäftigen.

Angela Zumpe, »Studieren am Bauhaus« 2015, ©Zumpe/Lux VGBild-Kunst 2019
Angela Zumpe, »Studieren am Bauhaus« 2015, ©Zumpe/Lux VGBild-Kunst 2019

Nachdem Frauen jahrhundertlang der Zugang zu den Kunsthochschulen verwehrt war, konnten sie sich mit Beginn der Weimarer Republik für ein Kunststudium entscheiden. Großer Anziehungspunkt war das von Walter Gropius 1919 in Weimar gegründete Staatliche Bauhaus, das in seinem Programm Innovation und Gleichberechtigung versprach: „Als Lehrling aufgenommen wird jede unbescholtene Person ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, deren Begabung und Vorbildung vom Meisterrat als ausreichend erachtet wird.“ hieß es in der Gründungsakte. Doch schon bald fürchtete Gropius, dass die große Anzahl von Frauen dem Ansehen der Schule schaden würde. Er forderte eine „scharfe Aussonderung gleich nach der Aufnahme, vor allem bei dem der Zahl nach zu stark vertretenen weiblichen Geschlecht“. Damit war der Weg der jungen Frauen vorgezeichnet: Sie mussten ihre Ausbildung in der Werkstatt für Weberei absolvieren.

Viele Bauhauskünstlerinnen widersprachen dem von Gropius und seinen Meistern propagierten Frauenbild in ihrem konkreten Handeln: Lucia Moholy, Otti Berger und Grete Stern beispielsweise experimentierten und forschten formal und inhaltlich unabhängig von Konvention und Tradition, eigneten sich außerhalb ihrer Ausbildung Expertise an und wurden erfolgreiche Geschäftsfrauen. Doch trotz ihrer herausragenden Leistungen verblieben die Absolventinnen des Bauhauses bis auf wenige Ausnahmen in Forschung, Literatur und Ausstellungspraxis bis heute im Schatten der männlichen Kollegen.

Während die Dessauer Bauhaus-Stiftung ihr Jubiläum unter dem Titel „An die Substanz“ den Baustoffen und Materialien der Moderne widmet, geht es den Künstlerinnen Ines Doleschal, Veronika Kaiping, Verena Kyselka, Anja Wolf und Angela Zumpe um die (weiblichen) Persönlichkeiten und ihre herausragenden künstlerischen Leistungen am Bauhaus vor 100 Jahren. Die vorliegenden Arbeiten in Gegen den Strich – Künstlerinnen* am Bauhaus sind zeitgenössische Reflexe und Interpretationen auf Werke und Lebensrealität der Frauen, die in Dessau gelebt, gelehrt oder studiert haben – genau wie Doleschal, Kaiping, Kyselka, Wolf und Zumpe selbst.

Verena Kyselka, Die Frauenklasse, Videoinstallation mit bespannten Handwebrahmen, Wolle und  Animationsfilm, Kunsthalle Erfurt, 2019 (©Verena Kyselka)
Verena Kyselka, Die Frauenklasse, Videoinstallation mit bespannten Handwebrahmen, Wolle und Animationsfilm, Kunsthalle Erfurt, 2019 (©Verena Kyselka)

In ihren Collagen und Zeichnungen interpretiert die Berliner Künstlerin, Co-Initiatorin des Aktionsbündnisses fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen* e.V. und Mitglied des VdBK 1867 e.V. Ines Doleschal mit Faserstift, Pinsel und Skalpell die experimentellen Form- und Farbgestaltungen der Weberinnen neu. Die frühen Teppichentwürfe von Gertrud Arndt oder Anni Albers in ihrer Vorwegnahme von minimalistischer oder konkreter Kunst faszinieren die Künstlerin ebenso wie das verwirrende Spiel von Kett- und Schussfäden, das sie zeichnerisch nachempfindet.

Die in Dessau lebende Künstlerin Veronika Kaiping studierte Design an der Hochschule Anhalt in unmittelbarer Nähe zum Bauhaus Dessau. In ihren keramischen und grafischen Arbeiten setzt sie sich mit den Lehrkonzepten des historischen Bauhauses auseinander, die sich im Spannungsfeld zwischen Kunst und Handwerk bewegten. Besonders interessiert sie die Situation der Bauhaus-Studentinnen und deren Alltag innerhalb der Institution. In ihren Arbeiten verbindet Kaiping historische Perspektiven mit ihren eigenen Erfahrungen.

Die Videoinstallation „Die Frauenklasse“ der Berliner Künstlerin Verena Kyselka verweist zugleich unterhaltsam und kritisch auf das Kollektiv der Weberinnen am Bauhaus. Kyselkas Arbeiten beschäftigen sich mit den vielstimmigen Lebenswelten und Selbstverständnissen von Frauen – im besonderen Bewusstsein von Repressionen und Diskriminierung, die Kyselka selbst als Künstlerin des Underground und Mitglied der Künstlerinnengruppe Exterra XX in Erfurt in den 1980ern erlebte.

Wie Kaiping lebt und arbeitet auch die Künstlerin Anja Wolf in unmittelbarer Nähe zum Dessauer Bauhaus. Sie reflektiert ihr persönliches Wirken an dieser Institution in den Jahren 2006-2016, in denen sie an den berühmten jährlich stattfindenden Bauhaus-Festen mitarbeitete und Kostüme und Installationen entwickelte. Ihre Collagen und ihr Kostümexperiment, das sie performativ zum Einsatz bringt, sind eine Referenz an die Künstlerinnen des Dessauer Bauhauses vor 100 Jahren.

Angela Zumpe lehrte von 1998 – 2019 am Department of Design der Hochschule Anhalt als Professorin für Audiovisuelle Medien. In ihren fotografischen Re-Inszenierungen der jüngeren Zeit thematisierte sie Fragen von Macht und Repräsentation von Frauen in berühmten Werken weiblicher Kunstgeschichte. Nach einer intensiven Auseinandersetzung über Lucia Moholy und ihren Kontext nähert Zumpe sich jüngst dem Werk und Leben der Bauhaus-Fotografinnen Grete Stern und Ellen Auerbach.

Obwohl den fünf Künstlerinnen eine ästhetische Reflexion und Neuinterpretation der Werke der Bauhaus-Künstlerinnen wichtig ist, möchten sie in ihren künstlerischen Annäherungen auch kritische und unbequeme Fragen zu stellen: Wie gendersensibel ist der heutige Bauhaus-Diskurs? Werden die blinden Flecken aufgearbeitet oder wird Design- und Architekturgeschichte wie bislang männerzentriert fortgeschrieben? Wie sieht die Lebenswirklichkeiten von Künstlerinnen heute aus vis-à-vis jener von vor 100 Jahren in Weimar, Dessau und Berlin? Und mit welchen strukturellen Hürden und patriarchalen Vorurteilen sind Künstlerinnen, vor allem jene mit Sorgeverantwortung, heute noch konfrontiert?

Eva Maria Marcus, Fischerhütten, Farbholzschnitt; Foto: Gerbrand Caspers
Eva Maria Marcus, ‚Fischerhütten‘, Farbholzschnitt, Blatt: 33,7 x 39.5 cm, Bild: 29,7 x 35.6 cm, zwischen 1917 und 1928, signiert, Foto: Gerbrand Caspers

Mit Werken von: Magdalena Kallenberger und Eva Maria Marcus, sowie Gertrude Köhler, Verena Kyselka, Nadja Siegl und fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen* e.V. mit dem Projekt mind the gap*. Kuratiert von Cornelia Renz

Eröffnung: Donnerstag, 12. Juni 2025, 18:00
Laufzeit: 13. Juni 2025 bis 12. Juli 2025
Ausstellungsbegehung mit Talks und Film: Samstag, 28. Juni 2025, ab 15:00
(Programm siehe unten)

Die Künstlerin Eva Maria Marcus (1889-1970) hinterließ 1970 testamentarisch die Verfügung „alten, nicht mehr arbeitsfähigen, bedürftigen Berliner Malerinnen und Bildhauerinnen unmittelbar wirtschaftliche Unterstützung zukommen“ zu lassen. Doch erst wenn man erfährt, dass sie als Künstlerin jüdischer Abstimmung unter der NS-Herrschaft aus dem VdBK 1867 ausgeschlossen wurde und Monate im KZ verbrachte, erschließt sich die Großzügigkeit ihres Vermächtnisses.

Cornelia Renz, im Vorstand des VdBK 1867, konnte als Stipendiatin des Recherchestipendiums „Auf den Spuren Bildender Künstlerinnen“ des Deutschen Künstlerbundes und Kunst-Mentoring des Kulturbüro Rheinland-Pfalz zu Eva Maria Marcus recherchieren. Die Ausstellung zeigt die Rechercheergebnisse, einige ihrer wenigen erhaltenen Werke sowie Arbeiten von Gertrude Köhler, einer jüdischen Vereinskollegin, die versteckt die NS-Jahre überlebte und wie knapp 20 weitere Künstlerinnen durch Marcus‘ Vermächtnis unterstützt wurde.

Die Ausstellung richtet ein Spotlight auf kollegiale Unterstützung und Solidarität unter uns Künstlerinnen. Sie zeigt, wie wichtig es ist, dass wir selbst unsere Biografien erforschen und aufarbeiten: ohne gemeinsames Engagement bleiben unsere Geschichten im Dunkeln.

Diese Ausstellung zeigt einige Beispiele, wie Künstlerinnen mit den Werken und Biografien ihrer älteren Kolleginnen umgehen.

Pressetext auf Deutsch und Englisch zum Download


  1. The NEA found that as women artists age, they earn progressively less than their male artist counterparts. Women artists aged 55–64 earn only 66¢ for each $1 earned by men, National Endowment for the Arts, 2019

Programm der Ausstellungsbegehung am Samstag, 28. Juni 2025, ab 15:00:
15:30 Führung durch die Ausstellung. Die Kuratorin Cornelia Renz im Gespräch mit Sabine Herrmann, Karin Meyer (fair share!), Verena Kyselka, Rudolf Mach und Nadja Siegl
17:00 Podiumsgespräch SICHTBARKEIT: archivieren, forschen, sammeln, zeigen mit Dr. Michael Krejsa, Leiter Archiv Bildende Künste der Akademie der Künste, Dr. Wolfgang Schöddert, Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Provenienzforschung, Berlinische Galerie (angefragt), Kerry Wallach, Professorin und Chair of German Studies, Gettysburg College, US, Moderation: Cornelia Renz
19:00 Filmvorführung: …Grande Dame der Malerei – Augusta von Zitzewitz 1880–1960, von Anette von Zitzewitz



Farbholzschnitt Kiefernwald von Eva Maria Marcus
Eva Maria Marcus, Kiefernwald, zwischen 1917 und 1928, Farbholzschnitt, Blatt: 33,0 x 40,6 cm, signiert, Foto ©Gerbrand Caspers
Zeichnung eines Tänzers mit Graphit und Goldstift von Gertrude Köhler
Gertrude Köhler, Tänzer, Entstehungsjahr unbekannt, Graphit und Goldstift, 59,5 x 79 cm, signiert, Foto ©Cornelia Renz
Collage mit Texten in Schreibmaschine und Handschrift , darunter ein Mädchen hinter grünen Flaschen.
Verena Kyselka, Pigs like Pigments, 2007, Auszug aus der Serie von 6 digitalen C-prints, je 100 x 70 cm, Foto ©Verena Kyselka
fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen* e.V. mit dem Projekt mind the gap*,
Paula Lauenstein: Rothaariges Mädchen, 1923, Öl auf Leinwand, 60 x 50,5 cm, Albertinum | GNM, Inv.-Nr. 2016/09, ©Foto: Albertinum | GNM, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Elke Estel/Hans-Peter Klut, ©Nachlass Paula Lauenstein 
Magdalena Kallenberger, Von Träumen und vom Träumen – Performative Begegnungen von Magdalena Kallenberger mit der Künstlerinnengruppe Erfurt, 2025, Still aus dem Video, 25 Minuten, 4K, Sound, Deutsch und Englisch, Foto ©Magdalena Kallenberger