Vernissage: Donnerstag 6. August, 18 Uhr Begrüßung: VdBK 1867 Vorstand, Zuzanna Skiba Einführung: Dr. Helen Adkins, Nachlassbetreuerin, Kuratorin der Ausstellung
Jeden Samstag 17 Uhr, Führung zus. mit Dietmar H. Heddram, dem langjährigem Partner von NÄNZI Finissage: Samstag 5. September, 14–19 Uhr
Öffnungszeiten: Do–Sa.16–19 Uhr + n. V. Kontakt: +49 30 2161585 / helen@helenadkins.de
Die Einladung des VdBK 1867, die Bildhauerin NÄNZI in einer Soloausstellung zu zeigen, ist eine besondere Auszeichnung. NÄNZI, die nicht Mitglied war, wurde 30 Jahre lang für ihre besondere Persönlichkeit und einzigartige Kunst in der Berliner Szene als Edelpunkerin und Bildhauerin geschätzt.
Schon früh entdeckte NÄNZI Kunst als Lebensprinzip. Als sie 1983 nach Westberlin kam, war sie Teil der ausgefallenen Punkszene, die ihre Gesinnung bis zuletzt prägte. Sie studierte Bildhauerei an der Hochschule der Künste bei Joachim Schmettau.
Minna muss zum Film ist ein bekanntes Lied der Berliner Kabarettsängerin Claire Waldoff aus dem Jahr 1931. Das Lied erzählt der Geschichte der Hausangestellten Minna, die ihre Anstellung aufgibt, um ein großer Filmstar zu werden. Bei NÄNZI ist Minna zu einer Schwarzwaldbäuerin mutiert.
Claire Waldoff. Minna muß zum Film (1931) Ick muß zum Film ick habe doch Talent In meinem Busen fühle ich’s mächtig wogen Das ist das heilije Feuer, det da brennt Ick hab Talent – wahrhaftich unjelogen
NÄNZI thematisiert Schmerz und Gewalt an Frauen aus weiblicher Perspektive und ganz zeitgenössisch durch figürliche Plastik. Die Dargestellten sind aus dem Leben gegriffen und mythisch aufgeladen. Anstatt männliche Eroberer und Märtyrer, formte sie ein Kanon weiblicher Entschlossenheit und Willensstärke.
Wenn ich schwach bin, bin ich stark, eine Zeile des Paulus aus dem Neuen Testament, steht für Hoffnung. Es ist ein Zitat unter vielen, das NÄNZI in ihre Kunst eingebettet hat. Bei ihr werden diese Worte allerdings als Zitat der Grimm’schen Märchenfigur Schneewittchen genannt.
Themenschwerpunkt der Ausstellung ist der Ungehorsam von Frauen. Es werden rund 40 Arbeiten inklusive Wandinstallationen gezeigt. Die Präsentation wird einen Bogen spannen zwischen dem Frühwerk der Punkerin und den späteren bekleideten, frisierten und geschminkten naturalistischen Figuren aus Gips und Beton.
Erotik, Weiblichkeit und Gewalt sind große Themen der Menschheit, die in antiken und indigenen Plastiken gefasst wurden. NÄNZI hat sie aktuell und kompromisslos behandelt. 30 Jahre ihres Wirkens in Berlin fanden noch keine museale Würdigung.
Christel Fetzer, Irène Hug, Inken Reinert, Anke Völk kuratiert von Irène Hug
Ausstellung: 4. Juli – 2. August 2026 Eröffnung: Freitag, 3. Juli, 18 Uhr Begrüßung: VdBK1867_Vorstand
Finissage: Sonntag, 2. August 14 – 18 Uhr
Öffnungszeiten: Donnerstag – Samstag 16 – 19 Uhr
Bei dieser Ausstellung im Projektraum des Vdbk 1867 soll die Gelegenheit genutzt werden, raumgreifende Arbeiten zu realisieren, die nicht einem verkaufbaren Wert dienen müssen wie in einer kommerziellen Galerie. Um mit den spezifischen Eigenschaften des Ausstellungsraums – etwa dem dominanten Marmorboden, den zahlreichen Nischen und den Durchgängen – umzugehen, bedarf es eines besonderen Setups.
Die Arbeiten der vier Künstlerinnen nutzen den vorgegebenen Raum jeweils auf unterschiedliche Weise und beziehen ihn aktiv ein, sodass er Teil der Arbeit wird – oder umgekehrt die Arbeiten Teil des Raums. Der Titel »Reset the Setup« verweist sowohl formal als auch inhaltlich auf ein Umstellen, Umdenken oder einen Neubeginn der vorgefundenen Situation und Anordnung im Allgemeinen und der hier räumlichen Konstellation im Besonderen.
Inken Reinert und Irène Hug verwenden für ihre Installationen Fundstücke aus dem Alltag: Straßenfunde wie Überreste von nicht mehr gebrauchten Gegenständen, Möbel, Industriemüll und vieles mehr. Die Dinge können als Relikte ideologischer und gesellschaftlicher Systeme gelesen werden, und zwar sowohl aus ost- als auch westdeutschen Kontexten, wie bspw. der Idee von grenzenlosem Wachstum, Konsumversprechen und sozialem/ sozialistischem Fortschritt. Ebenso waren sie selbst einst autonome Objekte, für die ein/e Gestalter*in jeweils ein spezifisches Design entwickelt hat. Ästhetik und Verwendungszweck sollen sich darin vereinen gemäß der Formel: Form follows function.
Die Objekte fungieren einerseits als Erinnerungen ihrer Zeit, andererseits erzeugen sie durch ihre Neu-Anordnung eine eigenständige Ästhetik und entwickeln eine neue künstlerische Aussage. The material is the message. In diesem Sinne werden Reste und Überbleibsel zu Symbolen dessen, was eines Tages wieder aufgebaut werden könnte.
Auch die Akkumulation – das Sammeln und Anhäufen von Vorhandenem statt einer permanenten Neuproduktion – ist ein bewusst gesetztes Statement. Sie versteht sich als Gegenentwurf zu einer Logik des unbegrenzten Wachstums und der fortwährenden Warenproduktion.
Bei Christel Fetzers Arbeit wird die Baustelle vor dem Ausstellungsraum zum Resonanzraum der Installation. Rot-weiße Absperrungen, die den öffentlichen Raum neu ordnen, finden im Inneren ihre Entsprechung. Linien, Flächen und Farbfelder treten aus ihrer funktionalen Rolle heraus und entwickeln eine eigene räumliche Präsenz. Die Installation setzt fort, was draußen begonnen hat: Sie markiert, lenkt, trennt und verbindet. Der Ausstellungsraum wird so zu einem Echo des Stadtraums – und der Stadtraum zu einer Erweiterung der Ausstellung.
Das strukturierte Ensemble wird bei Anke Völk völlig aufgelöst. Freie, schwungvolle Formen sind mit sehr breitem Pinselstrich direkt an die Wand gemalt. Sie schafft durch diese sichtbar gemachte Bewegung eine weitere Dimension in den Raum. Die aufgetragene Farbe schimmert verführerisch durch die Verwendung irisierender Pigmente. Die abstrakte Malerei erscheint lapidar konkret durch einfache und zugleich komplexe Elemente im Zusammenspiel von Farbe und Bewegung.
christelfetzer.de Instagram: christelfetzer Christel Fetzers ortsspezifische Installationen bewegen sich an der Schnittstelle von Malerei, Skulptur und Raum. Aus industriell gefertigten und zugleich manuell bearbeiteten Holzstrukturen entwickelt sie Arbeiten, die sich konventionellen Gattungszuordnungen entziehen. Minimalistisches Materialbewusstsein verbindet sich dabei mit konzeptueller Klarheit.
An die Stelle des klassischen malerischen Gestus tritt die Auseinandersetzung mit vorgefertigten Materialien wie Lack, Kunststofffolie, Klebeband, Neonlicht undunter-schiedlich bearbeiteten Holzoberflächen. Farbe erscheint nicht mehr ausschließlichals aufgetragene Schicht, sondern entfaltet sich im Zusammenspiel von Material, Form und räumlicher Situation. Fläche wird zum Objekt, das Objekt zum Träger malerischer Prozesse.
Durch die präzise Setzung ihrer Elemente entstehen Arbeiten, die den umgebenden Raum aktiv einbeziehen. Oberflächen reflektieren Licht, markieren Grenzen und erzeugen visuelle Verschiebungen. So entsteht eine Spannung zwischen Zweidimensionalität und Körperlichkeit, zwischen industrieller Produktion und individueller Bearbeitung.
irenehug.com instagram: hug_irene Die Installation ist eine Assemblage aus grau beschichteten Paneelen, Resten von Baumaterial, Fliesen und Fotoprints von Straßenszenen und Häuserfassaden. Darüber sind unterschiedlichste zusammengefundene Buchstaben aus ehemaliger Außenwerbung montiert. Sie bilden den Schriftzug: Club of Remains. Das Ensemble ist fast vollkommen über eine Fensternische des Ausstellungsraumes gebaut. Nur ein kleines Stück Fenster bleibt sichtbar. So ist kaum noch zu erkennen, ob es real existiert, oder ein eingesetztes Teil der Komposition ist.
Vor der „Wandverkleidung“ auf dem Boden liegt eine große Fläche eines Musters mit 3D Optik. Es handelt sich um ein in der Renaissance oft verwendetes einfaches Gestaltungs-element mit großer Wirkung. Die Fläche ist ein gefundener hellgrauer Teppich auf dem das Muster mit rotbraun und schwarzer Farbe aufgetragen wurde.
Auf einem weiteren raumhohen Fotoprint einer Straßenszene ist eine Treppe von oben zu sehen: Dominierend sind die sich wiederholenden waagrechten, senkrechten und diagonalen Flächen. Die Stufen sind in verschiedenen Farbtönen gestrichen; eine so vorgefundene „Malerei“ auf der eine Frau die Treppe hoch läuft. Ein weiteres Objekt ist eine Montage aus verschiedenen Fundstücken: Baumaterial, Industrieprodukte, Haushalts-dinge, die täglich auf den Straßen zu finden sind. Sie können als einzelne Buchstaben erkannt werden und formen bei aufmerksamer Beobachtung die Worte: DAILY NEWS. Im Widerspruch zur inhaltlichen Aussage der täglichen Neuigkeiten soll das Objekt jedoch stets unverändert stehen bleiben, im Gleichgewicht, und das, obwohl seine Statik äußerst fragil ist.
inken-reinert.de Instagram: inkenreinert Die Arbeit past present besteht aus Teilen demontierter DDR Schrankwände und Küchenmöbel. Es sind Überreste vorheriger Installationen und neu dazu gekommene, z.T. vor Ort gesammelte Teile, die sie zu einem Gefüge anordnete, das sich aus unterschiedlichen Inspirationsquellen speist: vor allem aber aus ihren Beobachtungen der Transformationen, die im öffentlichen wie im privaten Raum im ehemaligen Ostdeutschland seit der Wende stattgefunden haben.
Durch das Zerschneiden, Neu-Anordnen und Collagieren dieser Möbel-Relikte bezieht sie sich auf uneingelöste Utopien des 20 Jahrhunderts. Was passiert mit dem Versprechen auf kollektives Glück und Funktionalität, wenn die dazugehörigen Räume und Objekte längst zerfallen oder demontiert sind?
In Anlehnung an Steffen Maus Analyse in „Lütten Klein“ begreift Inken Reinert ihre Arbeit mit Möbeln aus DDR-Produktion als Auseinandersetzung mit den „gesellschaftlichen Frakturen“ der Nachwendezeit. Mau beschreibt die Transformation Ostdeutschlands nicht als linearen Übergang, sondern als eine Abfolge von Brüchen, die sich tief in Biografien und soziale Gefüge eingeschrieben haben.
Für die Ausstellung „Reset the Setup“, entwickelt sie die Installation past present als offenes System weiter, in Reaktion auf die räumliche Situation des Ausstellungsortes. Die Installation ist kein singuläres Objekt, sondern eine Abfolge von Zuständen – ein Prozess, in dem sich gesellschaftliche, materielle und räumliche Brüche immer wieder neu artikulieren.
anke-voelk.de Instagram: anke_voelk Anke Völk arbeitet mit breiten Pinselstrichen, die die Fixiertheit und Starrheit eines Bildes auflösen, in dem die Bewegung der Pinselführung, durch das Auge der Betrachtenden zwangsläufig nachvollzogen wird. Gleichzeitig entstehen neue, autonome und abstrakte Formen, die wiederum fixiert auf der Malfläche erscheinen. Dieses formale Paradox wird durch die Verwendung irisierender Pigmente zusätzlich verstärkt, deren schimmernde Oberflächen verführerisch in den Raum ausstrahlen.
Lapidar konkret erscheint die abstrakte Malerei: einfache, zugleich komplexe Elemente, im Zusammenspiel mit Farbe und Bewegung. Grundsätzlich wird das Medium der Malerei in Anke Völks Werk befragt. Grenzen, Ausdruck, Erscheinungsmöglichkeiten. Optische Annäherung an technische Verfahren und doch analog durch Malerei erzeugte Elemente erweitern oder ergänzen ein tradiertes Bild von Malerei. Oder besser gesagt die Erzeugung von Bildern durch malerische Mittel, die sich nicht festlegen lassen wollen.
Die Arbeiten behaupten ihre Autonomie in direktem Bezug zur Person der Künstlerin und bleiben somit direkt mit ihr verbunden. Alle Einflüsse, die sich in der Malerei ihren Ausdruck suchen, werden somit zuerst als bewusste Wahrnehmung verstanden, bevor sie Einzug in der Umsetzung ins Bild finden. Auch gehört zu diesen bewusst wahrgenommenen Einflüssen durchaus der Kontext, in dem Arbeiten entstehen. Also Ort, Raum, Dimension. Diese Kategorien beeinflussen Völks Arbeiten in ihrer performativen Herangehensweise unterschiedlich und definieren die Wahl des Bildträgers, Ausführung und die Farbigkeit von Anke Völks Arbeiten maßgeblich.
Ines Doleschal, Berlin – Zeichnungen, Collagen Veronika Kaiping, Dessau – Keramik, Illustration Verena Kyselka, Berlin – Videoinstallation Anja Wolf, Dessau – Collagen, Textil Angela Zumpe, Berlin – Fotografie
Vernissage: Donnerstag, 16. April 2026 um 18 Uhr Begrüßung durch N.N. Einführung in die Ausstellung: Ines Doleschal (Künstlerin und Kuratorin)
Ausstellungsführungen mit Ines Doleschal Samstag, 25. April 2026, 17 Uhr sowie Freitag, 1. Mai 2026, 17 Uhr (Gallery Weekend)
Das »Neue Sehen« und Studieren in Dessau Angela Zumpe berichtet von Erfahrungen und Perspektiven der Lehre am Standort Dessau. Samstag, 18. April 2026, 17.00 Uhr
Finissage: Sonntag, 17. Mai 2026 von 14-18 Uhr Anja Wolf initiiert als „FrauBauhaus“ im Kostüm einen lebendigen zeitgenössischen Blick auf das Frausein und die abstrakten Kostümideen des historischen Bauhauses
Anlässlich des Jubiläumsjahres des Umzugs des Bauhauses von Weimar nach Dessau 1925/26 zeigt der Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V. unter dem Titel Gegen den Strich – Künstlerinnen* am Bauhaus eine fokussierte Präsentation von Werken dreier Berliner und zweier Dessauer Künstlerinnen, die sich mit dem Leben und Werk von Frauen am Bauhaus beschäftigen.
Nachdem Frauen jahrhundertlang der Zugang zu den Kunsthochschulen verwehrt war, konnten sie sich mit Beginn der Weimarer Republik für ein Kunststudium entscheiden. Großer Anziehungspunkt war das von Walter Gropius 1919 in Weimar gegründete Staatliche Bauhaus, das in seinem Programm Innovation und Gleichberechtigung versprach: „Als Lehrling aufgenommen wird jede unbescholtene Person ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, deren Begabung und Vorbildung vom Meisterrat als ausreichend erachtet wird.“ hieß es in der Gründungsakte. Doch schon bald fürchtete Gropius, dass die große Anzahl von Frauen dem Ansehen der Schule schaden würde. Er forderte eine „scharfe Aussonderung gleich nach der Aufnahme, vor allem bei dem der Zahl nach zu stark vertretenen weiblichen Geschlecht“. Damit war der Weg der jungen Frauen vorgezeichnet: Sie mussten ihre Ausbildung in der Werkstatt für Weberei absolvieren.
Viele Bauhauskünstlerinnen widersprachen dem von Gropius und seinen Meistern propagierten Frauenbild in ihrem konkreten Handeln: Lucia Moholy, Otti Berger und Grete Stern beispielsweise experimentierten und forschten formal und inhaltlich unabhängig von Konvention und Tradition, eigneten sich außerhalb ihrer Ausbildung Expertise an und wurden erfolgreiche Geschäftsfrauen. Doch trotz ihrer herausragenden Leistungen verblieben die Absolventinnen des Bauhauses bis auf wenige Ausnahmen in Forschung, Literatur und Ausstellungspraxis bis heute im Schatten der männlichen Kollegen.
Während die Dessauer Bauhaus-Stiftung ihr Jubiläum unter dem Titel „An die Substanz“ den Baustoffen und Materialien der Moderne widmet, geht es den Künstlerinnen Ines Doleschal, Veronika Kaiping, Verena Kyselka, Anja Wolf und Angela Zumpe um die (weiblichen) Persönlichkeiten und ihre herausragenden künstlerischen Leistungen am Bauhaus vor 100 Jahren. Die vorliegenden Arbeiten in Gegen den Strich – Künstlerinnen* am Bauhaus sind zeitgenössische Reflexe und Interpretationen auf Werke und Lebensrealität der Frauen, die in Dessau gelebt, gelehrt oder studiert haben – genau wie Doleschal, Kaiping, Kyselka, Wolf und Zumpe selbst.
In ihren Collagen und Zeichnungen interpretiert die Berliner Künstlerin, Co-Initiatorin des Aktionsbündnisses fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen* e.V. und Mitglied des VdBK 1867 e.V. Ines Doleschal mit Faserstift, Pinsel und Skalpell die experimentellen Form- und Farbgestaltungen der Weberinnen neu. Die frühen Teppichentwürfe von Gertrud Arndt oder Anni Albers in ihrer Vorwegnahme von minimalistischer oder konkreter Kunst faszinieren die Künstlerin ebenso wie das verwirrende Spiel von Kett- und Schussfäden, das sie zeichnerisch nachempfindet.
Die in Dessau lebende Künstlerin Veronika Kaiping studierte Design an der Hochschule Anhalt in unmittelbarer Nähe zum Bauhaus Dessau. In ihren keramischen und grafischen Arbeiten setzt sie sich mit den Lehrkonzepten des historischen Bauhauses auseinander, die sich im Spannungsfeld zwischen Kunst und Handwerk bewegten. Besonders interessiert sie die Situation der Bauhaus-Studentinnen und deren Alltag innerhalb der Institution. In ihren Arbeiten verbindet Kaiping historische Perspektiven mit ihren eigenen Erfahrungen.
Die Videoinstallation „Die Frauenklasse“ der Berliner Künstlerin Verena Kyselka verweist zugleich unterhaltsam und kritisch auf das Kollektiv der Weberinnen am Bauhaus. Kyselkas Arbeiten beschäftigen sich mit den vielstimmigen Lebenswelten und Selbstverständnissen von Frauen – im besonderen Bewusstsein von Repressionen und Diskriminierung, die Kyselka selbst als Künstlerin des Underground und Mitglied der Künstlerinnengruppe Exterra XX in Erfurt in den 1980ern erlebte.
Wie Kaiping lebt und arbeitet auch die Künstlerin Anja Wolf in unmittelbarer Nähe zum Dessauer Bauhaus. Sie reflektiert ihr persönliches Wirken an dieser Institution in den Jahren 2006-2016, in denen sie an den berühmten jährlich stattfindenden Bauhaus-Festen mitarbeitete und Kostüme und Installationen entwickelte. Ihre Collagen und ihr Kostümexperiment, das sie performativ zum Einsatz bringt, sind eine Referenz an die Künstlerinnen des Dessauer Bauhauses vor 100 Jahren.
Angela Zumpe lehrte von 1998 – 2019 am Department of Design der Hochschule Anhalt als Professorin für Audiovisuelle Medien. In ihren fotografischen Re-Inszenierungen der jüngeren Zeit thematisierte sie Fragen von Macht und Repräsentation von Frauen in berühmten Werken weiblicher Kunstgeschichte. Nach einer intensiven Auseinandersetzung über Lucia Moholy und ihren Kontext nähert Zumpe sich jüngst dem Werk und Leben der Bauhaus-Fotografinnen Grete Stern und Ellen Auerbach.
Obwohl den fünf Künstlerinnen eine ästhetische Reflexion und Neuinterpretation der Werke der Bauhaus-Künstlerinnen wichtig ist, möchten sie in ihren künstlerischen Annäherungen auch kritische und unbequeme Fragen zu stellen: Wie gendersensibel ist der heutige Bauhaus-Diskurs? Werden die blinden Flecken aufgearbeitet oder wird Design- und Architekturgeschichte wie bislang männerzentriert fortgeschrieben? Wie sieht die Lebenswirklichkeiten von Künstlerinnen heute aus vis-à-vis jener von vor 100 Jahren in Weimar, Dessau und Berlin? Und mit welchen strukturellen Hürden und patriarchalen Vorurteilen sind Künstlerinnen, vor allem jene mit Sorgeverantwortung, heute noch konfrontiert?
Vernissage: Donnerstag, 5. März 2026 um 18 Uhr 18.30 Uhr: Begrüßung durch Zuzanna Skiba vom Vorstand des VdBK Einführung in die Ausstellung: Ina Bierstedt 19.30 Uhr: Aktionsmalerei von Gabriele Stötzer Musik: Annika von Trier, Akkordeon und Gesang
Karfreitag, 3. April: Geschlossen
Finissage: Sonntag, 12. April von 13 – 18 Uhr 16 Uhr: Ausstellungsgespräch
Öffnungszeiten: Donnerstag – Samstag, 16 – 19 Uhr Eisenacher Straße 118, 10777 Berlin
drip painting on textiles: Workshop mit Ans Swart Mittwoch, 18. März und Sonntag, 22. März jeweils von 14:00 bis 17:00 Uhr. Teilnahmegebühr / workshop fee: 45 € Anmelden / registration: veranstaltung@vdbk1867.de Mehr siehe unten
„überleben und leben“ zeigt Ergebnisse der langjährigen künstlerischen Zusammenarbeit von Ans Swart und Gabriele Stötzer. Die Ausstellung wurde in Kooperation mit Ina Bierstedt (VdBK1867) entwickelt.
„Überleben“ und „Leben“ erscheinen hier nicht als Gegensätze wie Leben und Tod, sondern als eng miteinander verwobene Zustände. In ihren installativen Arbeiten, Malereien, Zeichnungen, Fotografien und einem Video untersuchen Ans Swart und Gabriele Stötzer, was es bedeutet, unter gesellschaftlichen, politischen oder persönlichen Bedingungen zu bestehen – und darüber hinaus als feministische Künstlerinnen Handlungsspielräume, Kraft, Energie und Würde zu behaupten.
Gabriele Stötzer: Der rote Tod, 2025, Guache und Foto auf Papier, 72 x 72 cm
Ans Swart, 2022, Bleeding Church, Aquarell auf Papier
Gabriele Stötzer: Solange der Krieg hält, 2024, Holz, Glas, Farbe, Plastikschläuche, 85 x 64 x 9 cm
Ans Swart, 1998, Torso, Öl auf Leinwand, 90 x 70 cm
Gabriele Stötzer ist Kaiserringträgerin der Stadt Goslar 2026. Ihr Werk ist eng mit Erfahrungen von Repression in der DDR-Diktatur, Körperpolitik und weiblicher Selbstbestimmung verbunden und reflektiert seit Jahrzehnten Formen von Anpassung und Widerstand. Ihre künstlerische Praxis ist geprägt von radikaler Subjektivität und der bewussten Aneignung des eigenen Körpers als Ort politischer Aussage. In ihren Arbeiten wird Überleben als aktiver, oft konflikthafter Prozess sichtbar – und Leben als bewusste Entscheidung für Ausdruck, Solidarität und Selbstbehauptung. Siehe auch Artikel „Kein Schwein hat sich für mich interessiert“ in der taz vom 27. Januar 2026.
Ans Swart nähert sich dem Thema aus einer anderen Perspektive, die von psychologischer Tiefe und existenzieller Lebenserfahrung geprägt ist. Ihre Malereien und Performances thematisieren die Geschichte von Frauen, Grenzüberschreitungen und Sexualität. Ans Swart hat einen besonderen Bezug zu Berlin, da sie hier gelebt hat und Teil der lesbisch-feministischen Subkultur und Künstlerinnenszene der 80er Jahre Westberlins, rund um das Pelze MultiMedia, war. Auch bei Ans Swart ist Leben kein Zustand der Selbstverständlichkeit, sondern ein sensibles, immer wieder neu auszuhandelndes Geschehen.
Workshop: drip painting on textiles Mittwoch, 18. März und Sonntag, 22. März jeweils von 14:00 bis 17:00 Uhr. Teilnahmegebühr / workshop fee: 45 €
Ans Swart zeigt in diesem Workshop am 18. und 22. März, wie Sie Ihre Kleidung verwandeln können. Bringen Sie dazu Ihre eigene Bluse, T-Shirt oder ein anderes Kleidungsstück in heller Farbe aus natürlichen Stoffen mit, außer Seide und Wolle. Es wird schwarze Textilfarbe verwendet, die nach dem Bügeln auch waschbar ist. An dem Workshop können maximal 5 Teilnehmer und 5 Zuschauer teilnehmen. Einige Kleidungsstücke sind in der Galerie vorrätig. Anmeldung und Fragen: veranstaltung@vdbk1867.de
Vernissage: Donnerstag, 29. Januar 2026 um 18 Uhr Begrüßung: Zuzanna Skiba, Vorstand des VdBK1867
Kurzfilmabend „Von Orten und Menschen“: Samstag, 14. Februar 2026 von 18 – 20 Uhr mit Kurzfilmen von Alexander Bunk, GUP-py, Karla Kracht, Hanako Miyamoto, Makiko Nishikaze und Wolf & Ritterskamp Zum Programm
Finissage: Sonntag, 01. März 2026 von 14 – 18 Uhr
Öffnungszeiten: Do – Sa, 16 – 19 Uhr Projektraum, Eisenacher Straße 118 10777 Berlin
Was die drei Künstlerinnen verbindet, ist die Auseinandersetzung mit der Position des Individuums in einer immer komplexer werdenden Welt, das in Gefahr gerät, sich in fragilen Konstellationen zu verlieren. Mit ihren unterschiedlichen gestalterischen Ansätzen reagieren sie hierauf jeweils individuell.
Friederike Klotz beschäftigt sich mit kinetischen Objekten, Klangskulpturen, Zeichnungen und Collagen, die uns eine Welt im Miniaturformat vor Augen führen, in der anonyme, ihrer Individualität entledigte Figuren wie von unsichtbarer Hand gesteuert erscheinen.
In Mayumi Okabayashis künstlerischem Schaffen spiegelt sich die Auseinandersetzung mit der erlebten Zeit und erfahrenen räumlichen Dimensionen wider. Dynamiken in der Natur, beispielsweise von der Zelle zur Pflanze und zurück, versucht sie festzuhalten, ohne sie zu fixieren.
Die rätselhaften und in ihrer konzentrierten Reduziertheit magisch wirkenden Bilder Nanaé Suzukis negieren immer wieder räumliche Nachvollziehbarkeit und zeitliche Sukzession. Gleichwohl fragen sie nach dem Handeln und nach der Verortung des Menschen in der Welt. (Claudia Beelitz).
Between blue and green lies the sea
Three artists are united by their examination of the position of the individual in an increasingly complex world, that is in danger of losing itself in fragile constellations. With their different artistic approaches, they each react to this individually.
Friederike Klotz deals with kinetic objects, sound sculptures, drawings and collages that depict a world in miniature, in which anonymous figures, stripped of their individuality, appear to be controlled by an invisible hand.
Mayumi Okabayashi’s artistic work reflects the examination of time and spatial dimensions, based on her own experiences. She attempts to hold on to dynamics found in nature, e.g. from the cell to the plant and back, without fixing them. She also tries to depict stasis and movement simultaneously, the drifting apart and coming together again, as well as the states in between.
Nanaé Suzuki’s enigmatic paintings, which seem magical in their concentrated reduction, repeatedly negate spatial comprehensibility and temporal succession, while investigating actions and the position of human beings in the world. Nanaé Suzuki pursues these questions in many ways. In doing so, she draws on different media, fields of knowledge and philosophical approaches as well as incorporating elements found in art and every life. (Claudia Beelitz).
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