NÄNZI (1962–2013). Wenn ich schwach bin, bin ich stark. Schneewittchen
Ausstellung: 07.08–05.09.2026
Vernissage: Donnerstag 6. August, 18 Uhr
Begrüßung: VdBK 1867 Vorstand, Zuzanna Skiba
Einführung: Dr. Helen Adkins, Nachlassbetreuerin, Kuratorin der Ausstellung
Jeden Samstag 17 Uhr, Führung zus. mit Dietmar H. Heddram, dem langjährigem Partner von NÄNZI
Finissage: Samstag 5. September, 14–19 Uhr
Öffnungszeiten: Do–Sa.16–19 Uhr + n. V.
Kontakt: +49 30 2161585 / helen@helenadkins.de
Die Einladung des VdBK 1867, die Bildhauerin NÄNZI in einer Soloausstellung zu zeigen, ist eine besondere Auszeichnung. NÄNZI, die nicht Mitglied war, wurde 30 Jahre lang für ihre besondere Persönlichkeit und einzigartige Kunst in der Berliner Szene als Edelpunkerin und Bildhauerin geschätzt.
Schon früh entdeckte NÄNZI Kunst als Lebensprinzip. Als sie 1983 nach Westberlin kam, war sie Teil der ausgefallenen Punkszene, die ihre Gesinnung bis zuletzt prägte. Sie studierte Bildhauerei an der Hochschule der Künste bei Joachim Schmettau.

Minna muß zum Film, 2010
Keramik, Textil, bemalt 40 x 19 x 16 cm
Foto: Nicolaus Schmidt
©2026 NÄNZI Nachlass, Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn
Minna muss zum Film ist ein bekanntes Lied der Berliner Kabarettsängerin Claire Waldoff aus dem Jahr 1931. Das Lied erzählt der Geschichte der Hausangestellten Minna, die ihre Anstellung aufgibt, um ein großer Filmstar zu werden. Bei NÄNZI ist Minna zu einer Schwarzwaldbäuerin mutiert.
Claire Waldoff. Minna muß zum Film (1931)
Ick muß zum Film
ick habe doch Talent
In meinem Busen fühle ich’s
mächtig wogen
Das ist das heilije Feuer, det da
brennt
Ick hab Talent – wahrhaftich
unjelogen
NÄNZI thematisiert Schmerz und Gewalt an Frauen aus weiblicher Perspektive und ganz zeitgenössisch durch figürliche Plastik. Die Dargestellten sind aus dem Leben gegriffen und mythisch aufgeladen. Anstatt männliche Eroberer und Märtyrer, formte sie ein Kanon weiblicher Entschlossenheit und Willensstärke.
Wenn ich schwach bin, bin ich stark, eine Zeile des Paulus aus dem Neuen Testament, steht für Hoffnung. Es ist ein Zitat unter vielen, das NÄNZI in ihre Kunst eingebettet hat. Bei ihr werden diese Worte allerdings als Zitat der Grimm’schen Märchenfigur Schneewittchen genannt.
Themenschwerpunkt der Ausstellung ist der Ungehorsam von Frauen. Es werden rund 40 Arbeiten inklusive Wandinstallationen gezeigt. Die Präsentation wird einen Bogen spannen zwischen dem Frühwerk der Punkerin und den späteren bekleideten, frisierten und geschminkten naturalistischen Figuren aus Gips und Beton.

Die Überlebende, 2001/04, Pigmentdruck von Betonskulptur (100 x 182 x 88 cm auf Eisentisch) 42 x 56 cm
©2026 NÄNZI Nachlass, Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn
Erotik, Weiblichkeit und Gewalt sind große Themen der Menschheit, die in antiken und indigenen Plastiken gefasst wurden. NÄNZI hat sie aktuell und kompromisslos behandelt. 30 Jahre ihres Wirkens in Berlin fanden noch keine museale Würdigung.