Johanna Reincke
Johanna Reincke, o.T. (Kornfeld), 1905, 34 x 46 cm, Öl/Holz, Privatbesitz Berlin, Foto: Eric Tschernow

Johanna Reincke (21.8.1874 Dobbertin-22.2.1948 Feldberg/Mecklenburg) war eine deutsche Malerin und Grafikerin. Sie lebte und arbeitete in Berlin und Forst/Mecklenburg. Reincke war 1911-1927 Mitglied im VdBK. Material befindet sich im Archiv des VdBK.

Johanna Reincke stammt aus der Familie eines Baumeisters, der in Feldberg eine Villa errichten ließ. Das Haus wurde auch als Pension genutzt. Um 1898 bis etwa 1904 nahm Reincke Unterricht in der Kunstschule des Landschaftsmalers Wilhelm Feldmann in Berlin. Hier schloss sich die Künstlerin der Damenklasse an. Danach bildete sie sich bei Walther Leistikow, Lovis Corinth und Martin Brandenburg weiter aus. Letzter unterrichtete an der Zeichen- und Malschule des VdBK, die die Künstlerin sehr wahrscheinlich besuchte.

Bis 1907 unterhielt Johanna Reincke ein eigenes Atelier in Berlin. Sie schuf vornehmlich Landschaften im spätimpressionistischen Pleinairstil. Ihre Motive stammten aus Mecklenburg und der heimatlichen Endmoränenlandschaft um Feldberg, Carwitz und Carpin, die sie in kraftvoller Farbigkeit und großer Formensicherheit widergab.

Familiäre Gründe zwangen Reincke dazu, nach Feldberg zurückkehren, um die Familienpension zu führen. Ihre eigentliche Berufung blieben jedoch die bildende Kunst und die Malerei, die sie parallel weiterbetrieb.

Reincke stellte in Berlin (Große Berliner Kunstausstellung), München und Mecklenburg aus. 1904 beteiligte sie sich an der Großen Landesausstellung zu Berlin, 1911 an der Ersten Mecklenburgischen Kunstausstellung in Schwerin, 1913 war sie im Kunstverein Rostock vertreten. Auch war sie 1922, 1926, 1929 und 1934 auf den Ausstellungen des Mecklenburgischen Künstlerbundes in Wismar und Rostock vertreten. Der Zweite Weltkrieg bereitete Reinckes künstlerischer Karriere ein Ende. Die Malerin starb verarmt in Feldberg.

Ihre Werke befinden sich u.a. im Museum in Neustrelitz.

Ottilie Reylaender
Ottilie Reylaender, Portrait Hedwig Woermann, 1900/1901, Öl/Lwd., 70 x 50 cm, Galerie "der Panther", München

Ottilie Reylaender auch: Reylaender-Böhme (19.10.1882 Wesselburgen-29.3.1965 Berlin) war eine deutsche Malerin. Sie lebte und arbeitete in Worpswede, Mexiko und Berlin. Reylaender war 1929-54 Mitglied im VdBK und stellte 1929, 1930, 1934, 1940, 1942, 1949 und 1954 dort aus. Material befindet sich im Archiv des VdBK.

Ottilie Reylaender ließ sich ab 1898 bei Fritz Mackensen in Worpswede ausbilden. Ihre Mitschülerinnen waren Paula Modersohn-Becker, Clara Rilke-Westhoff und Hedwig Woermann. 1900-1901 folgte ein Studium an der Académie Julian und der Académie Colarossi in Paris. Reylaender kam im Pariser Atelier von Modersohn-Becker unter. 1927 besuchte sie die Malschule von Arthur Segal in Berlin sowie 1931 die Berliner Zeichenschule Reimann.

Studienaufenthalte führten sie 1902 und 1907 erneut nach Paris, 1907 nach München sowie 1905 und 1908-1910 nach Italien und Nordafrika – 1905 mit der Bildhauerin Hedwig Woermann und 1908 mit Dora Herxheimer. 1910 siedelte Reylaender nach Mexiko über, wo sie bis 1927 blieb. Danach ließ sich die Malerin in Berlin/Potsdam nieder und heiratete den Hispanologen Traugott Böhme. Mit ihm unternahm sie weitere Studienreisen in den Mittelmeerraum, nach Spanien, Italien und Mexiko. 1943 wurde ein Teil ihres Werks durch einen Bombenangriff zerstört. 1945 eröffnete Ottilie Reylaender mit Oda Hardt-Rösler die private Malschule „das Atelier im Freien“.

Die Künstlerin schuf Mädchen- und Bauernportraits, Landschaftsbilder, Bildnisse von Indianern und mexikanischen Modellen. Reylaender, die mit Rainer Maria Rilke, Diego Rivera, Tina Modotti und Franziska Gräfin von Reventlow bekannt bzw. befreundet war, gehörte zu den Wegbereiterinnen der Modernen Kunst. Die satte Farbigkeit ihrer Gemälde und die exotischen Motive reihen sich in die Phalanx der expressionistischen und spätexpressionistischen Künstler.innen ein.

Reylaender stellte in Düsseldorf, Bremen, Hannover, Berlin u.a. aus. 1912 war sie auf der Sonderbund-Ausstellung in Köln, 1928 im Kunstverein Hamburg vertreten und gehörte zu den Künstler.innen der Berliner Galerie Flechtheim.

Ihre Werke befinden sich in folgenden Museen und Sammlungen: Haus im Schluh Worpswede, Worpsweder Kunsthalle Friedrich Netzei, Heimatmuseum Stade, Kunsthalle Bremerhaven und Galerie „der Panther“, München.

Emy Roeder

Emy Roeder (30.1.1890 Würzburg-7.2.1971 Mainz) war eine deutsche Bildhauerin und Zeichnerin. Sie lebte und arbeitete in Berlin und Mainz. Roeder war 1927-30 Mitglied im VdBK und beteiligte sich 1927 und 1930 an den Vereinsausstellungen. Material befindet sich im VdBK-Archiv.

Emy Roeder wurde 1908 am Polytechnischen Zentralverein Würzburg bei Arthur Schleglmünig ausgebildet, 1911 studierte sie in München und 1913-15 in Darmstadt bei Bernhard Hoetger. 1920-1925 besuchte sie als Meisterschülerin von Hugo Lederer die Kunsthochschule in Berlin. Bis 1933 blieb Roeder, die sich hier als erfolgreiche Bildhauerin etablierte, in Berlin.

Die Künstlerin war Gründungsmitglied der Berliner Novembergruppe sowie Mitglied der Berliner Secession, der Bildhauervereinigung “Block”, der Vereinigung der radikalen bildenden Künstler und des Deutschen Künstlerbunds. 1957 wurde sie zum Ehrenmitglied im Präsidium der Gesellschaft für Bildende Kunst, Mainz und 1958 zum Ehrengast in der Villa Massimo, Rom ernannt.

Emy Roeder hielt sich 1919 in Fischerhude, 1923 in Paris und ab 1933 in Frankreich und vor allem Italien auf – dort u.a. in der Villa Romana in Florenz.

1937 zeigten die Nationalsozialisten Roeders Werk die „Schwangere“ (1919) in der Propagandaschau “Entartete Kunst”. Die Bildhauerin erhielt Ausstellungsverbot in Deutschland und wurde 1944-1945 im Internierungslager Padula in Salerno inhaftiert. Die „Schwangere“ wurde beim spektakulären Berliner Skulpturenfund 2010 wiederentdeckt.

1949 kehrte Emy Roeder nach Deutschland zurück, und bekleidete bis 1953 eine Professur an der Mainzer Landeskunstschule.

Emy Roeder war eine führende expressionistische Bildhauerin. Sie schuf ausdrucksvolle Portraits, vor allem Frauenbüsten und -figuren, Akte sowie Tierdarstellungen in Holz und Bronze. Auch verewigte sie ihre Kollegen, die Expressionisten Hans Purrmann, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff in Bildwerken. Die Künstlerin war mit Käthe Kollwitz und Ernst Barlach befreundet. 1919 heiratete sie ihren Bildhauerkollegen Herbert Garbe, der sich später zum Nationalsozialismus bekannte.

Emy Roeder wurde von den bekannten Galerien Ferdinand Möller und Nierendorf vertreten und stellte in zahlreichen deutschen Städten aus. Sie beteiligte sich an den Ausstellungen des deutschen Künstlerbunds, der Berliner Secession und der Kestner Gesellschaft in Hannover. Ihre Werke wurden im Hessischen Landesmuseum, Hamburger Kunstverein und auf der documenta 1 in Kassel 1955 gezeigt.

Die Künstlerin erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Preis der Preußischen Akademie, der Preis der Stadt Köln, der Villa Romana-Preis für Florenz, der Preis der Stadt Berlin, der Corneliuspreis der Stadt Düsseldorf, der Kunstpreis für Bildhauerei des Landes Nordrhein-Westfalen und das große Bundesverdienstkreuz. 1962 wurde Emy Roeder Ehrenbürgerin der Stadt Mainz.

Ihre Werke befinden sich in folgenden Museen und Sammlungen: Museum im Kulturspeicher Würzburg (Nachlass), Nationalgalerie Berlin, Georg Kolbe Museum Berlin, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schleswig.