Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e. V.
VEREINSCHRONIK: Zeichen- & Malschule
 
1868
Gründung der Zeichen- und Malschule des Vereins am Askanischen Platz 7 als erste öffentliche Institution, an der Frauen eine grundlegende und systematische künstlerische Ausbildung erhalten. Die Unterrichtung erfolgt durch renommierte Akademieprofessoren wie August Remy, August T. Kaselowski, Wilhelm Streckfuß, Carl Scherres und Friedrich Eggers.
   
1869 Ab der zweiten Kunstausstellung des Vereins werden die Schülerinnenarbeiten zusammen mit denen der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen gezeigt.
   
1871 Erste Direktorin: Antonie Eichler. Erweiterung des Lehrangebots durch ein staatlich anerkanntes Zeichenlehrerinnenseminar.
   
1873 Bezug neuer Räumlichkeiten in der Halleschen Straße 18.
   
1880 Bezug neuer Räumlichkeiten in der Anhalter Straße 14.
   
1880er Karl Stauffer-Bern unterrichtet Clara Siewert, Maria Slavona sowie Käthe Kollwitz (1885 bis 1886).
   
 1891
Verein sowie Zeichen- und Malschule etablieren sich als feste Institution innerhalb des Berliner Kunstbetriebs. Goßzügige Subventionen vom preußischen Kultusministerium. Die Secessionisten Philipp Franck, Hans Baluschek, Ludwig Dettmann, Martin Brandenburg, Ulrich Hübner, George Mosson und Franz Skarbina stehen als Lehrer der Zeichen- und Malschule bzw. als Ehrenmitglieder mit dem Künstlerinnenverein in Verbindung (bis 1911).
   
1892 Direktorin: Margarethe Hoenerbach.
   
1893 Bezug neuer Räumlichkeiten in der Potsdamer Straße 39 (heute Nr. 98 a).
   
1896
Paula Modersohn-Becker besucht für zwei Monate die Porträtklasse von Jacob Alberts, wird darüber hinaus von Curt Stoeving, Martin Körte, Ernst Friedrich Hausmann, Ludwig Dettmann, Max Uth und Jeanna Bauck unterrichtet (bis 1898).
   
1897
Käthe Kollwitz unterrichtet an der Schule Grafik und Zeichnen, bildet dabei u. a. Sella Hasse aus (bis 1903).
   
1909 Direktorin: Hildegard Lehnert.
   
1911 Höchste Schülerinnenzahl in der Geschichte der Institution: 480. Bezug des neuen Vereins- und Schulhauses am Schöneberger Ufer 38.
   
1913 Hedwig Hauck, Zeichenlehrerin der Schule, wird als erste Frau in die Königliche Prüfungskommission für Zeichenlehrerinnen und Zeichenlehrer berufen.
   
1919 Mit dem Ende der Monarchie entfällt die Protektion durch das Kaiserhaus und die Unterstützung durch einflussreiche Kunstfreundinnen. Die Zulassung von Frauen zum Studium an der Akademie der Künste am 27. März 1919 entzieht der Zeichen- und Malschule eine wesentliche Existenzgrundlage. Sie verliert zunehmend an Bedeutung. Das Zeichenlehrerinnenseminar muss geschlossen werden.
   
1925 Die Schule muss kurzzeitig geschlossen werden, nachdem das Vereinsleben in der ersten Häfte des Jahrzehnts fast gänzlich zum Erliegen gekommen ist.
   
1927 Wiedereröffnung der Schule, die jetzt auch Männer zum Unterricht aufnimmt.
   
1929 Direktorin: Alice Michaelis.
   
1933 Direktorin: Elisabeth von Oertzen. Durch das Reichskulturkammergesetz der staatlichen Kontrolle unterworfen, erfolgt die Eingliederung der Schule in die nationalsozialistische Kulturpolitik
   
1935 Die wirtschaftliche Situation verschlechtert sich zunehmend. Das 1911 bezogene Vereins- und Schulhaus muss versteigert werden.
   
1944 Von den ständig wechselnden Räumlichkeiten der Zeichen- und Malschule während des Zweiten Weltkriegs werden die letzten bei einem Luftangriff völlig zerstört. Nach dem Krieg wird die Ausbildungsstätte nicht wiedereröffnet.