Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e. V.

Archiv, Bibliothek und Kunstsammlung des VdBK
Von Matheos Pontikos, Frühjahr 2013

 

>>> Bestandteile und Umfang

>>> Geschichte und Wesen der Sammlungen

>>> Schriftgut

>>> Foto-/Mediathek

>>> Bibliothek

>>> Kunstsammlung

>>> Benutzerstruktur

>>> Übereignung an die Akademie der Künste

>>> Kontaktinformationen für Benutzer

 

 

Bestandteile und Umfang
buch_kuenstlerinnenfestNeben denjenigen des Washingtoner „National Museum of Women in the Arts“ stellen die Bestände des VdBK die weltweit bedeutendste und umfangreichste Materialsammlung zur Geschichte der Kunst von Frauen dar. Das Archiv sowie die Bibliothek und Kunstsammlung des Vereins, die im Herbst 2012 in die entsprechenden Abteilungen der Akademie der Künste eingegliedert wurden, umfassen ca. 44 lfm Schriftgut, 17 lfm Foto- und Medienmaterial, 2.000 Bücher und 5.750 Kunstwerke. Dokumentiert werden nicht allein die Geschichte des VdBK, dessen mehr als 1.200 künstlerischen Mitglieder, 700 Kunstfreundinnen und Ehrenmitglieder, sondern das Leben und Schaffen von etwa 3.400 historischen, zeitgenössischen, europäischen und außereuropäischen Bildenden Künstlerinnen insgesamt.

 

 

Geschichte und Wesen der Sammlungen

Die Bestände des VdBK kumulierten sukzessive in den Jahren 1989 bis 2012. Sie entstammen nicht dem historischen Vereinsarchiv, denn dieses wurde im zweiten Weltkrieg zerstört, sondern es handelt sich um ein Konvolut von Materialien mannigfaltiger Provenienz und archivisch unterschiedlicher Gattungen. Dank einer Startsubvention durch die Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten unter der Kultursenatorin Dr. Anke Martiny und einer Förderung seitens der Deutschen Klassenlotterie in Höhe von 2 Mio. DM, aus denen die Arbeit von 47 Wissenschaftlern über ca. vier Jahre finanziert wurde, konnten 1989 die ersten systematischen Nachforschungen zur Geschichte des VdBK beginnen. Sie gipfelten 1992 in der bahnbrechenden Ausstellung „Profession ohne Tradition“, die anlässlich des 125. Vereinsjubiläums in der Berlinischen Galerie stattfand. Es war dies die erste und bisher umfangreichste Präsentation der Entwicklungsgeschichte europäischer Kunst von Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts. Aus der Forschungsdokumentation dieses Projekts entstand der Grundstock des VdBK-Archivs.

 

In beträchtlichem Umfang wurde das Archivgut im Laufe der folgenden zwei Jahrzehnte durch Schenkungen, Nachlässe und durch unsere eigene breit gefächerte Sammlungsaktivität bereichert. Weiteres trugen bei: der gestiftete Anteil der seit 1990 einströmenden Unterlagen der Werefkin-Preis-Bewerberinnen sowie diverse nachfolgende Forschungs- und Buchprojekte des VdBK, ferner die in regem Schriftentausch mit Museen, Galerien, Bibliotheken und anderen Institutionen und Kooperationspartner erworbenen Materialien. Anfangs darauf beschränkt, die einst nur spurenweise bekannte Geschichte des VdBK gründlich zu erschließen, weitete sich das Sammlungsziel schließlich aus zu einer umfassenden Dokumentation der Kunst von Frauen in Geschichte und Gegenwart.

 

 

Schriftgut
Den bedeutendsten und mit 18 lfm umfangreichsten Teil dieses Bestands bilden die personenbezogenen Archivalien und Dokumente. Den größten Platz darin nimmt die den Künstlerinnen gewidmete Abteilung ein. Sie umfasst 14 lfm Biografisches, Presseartikel, Rezensionen, Exponatlisten, Vernissagereden, Korrespondenzen, Auktionsergebnisse, Werk- und Projektdokumentationen, diverse Grauschriften sowie kleinere Kataloge und Kunstkommentare. Das Personenspektrum reicht von Magdalena Abakanowicz bis zu Nora von Zumbusch. Doch sind hier nicht nur die Stars und wohlbekannten Größen der Kunstszene vertreten, sondern auch zahlreiche Künstlerinnen, die – wiewohl mitunter einst berühmt und gefeiert – etwa nur mit einer Sterbeanzeige oder mit einem Ausstellungshinweis dokumentiert sind und deren biografische und kunsthistorische Erforschung noch zu leisten wäre.

 

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Umfangreiche Unterlagen zu den für die Finanzierung und gesellschaftliche Wirkmacht des Vereins sehr wichtigen Kunstfreundinnen, den Ehrenmitgliedern des VdBK und den Protektoren am Hofe, zu denen u.a. Kaiserin Augusta, Wilhelm I. und Kronprinzessin Victoria von Preußen zählten, komplettieren das personenbezogene Schriftgutsegment. Weiteres historisch bedeutsames abteilungsübergreifendes Archivgut offeriert das Material zu den Lehrerinnen, Lehrern und Schülerinnen sowie zur Geschichte der Mal- und Zeichenschule des VdBK, das auch Unterlagen zur Ausbildung von Frauen in künstlerischen Berufen allgemein enthält.
 
statut_darlehenskasseGesondert dokumentiert wird die Vereinsgeschichte von 1867 bis 2012 durch institutionelle Akten wie Jahresberichte, Sitzungsprotokolle, Satzungen, Korrespondenzen, Mitgliederverzeichnisse und Vereinsmitteilungen sowie durch Ausstellungsrezensionen und kleinere Kataloge. Der 3 lfm umfassende Abschnitt liefert zudem ein einzigartiges Bild über den Kampf um die Zulassung von Frauen an Kunstakademien in Deutschland. Geschichtlich Wertvolles bezüglich der Vorstandswahlen, Mitgliederbeitritte und -tode, Vereinsaktivitäten und -beschlüsse bietet ferner die Dokumentation Deutscher Lyceum-Club aus der gleichnamigen Monatsschrift der Schwesterorganisation, die ab 1928 als offizielles Mitteilungsblatt des VdBK fungierte. Dort findet man auch Materialien zu historischen Ausstellungen, Kunstwettbewerben, Juroren und Prämierten außerhalb des VdBK-Kontextes.

 

Die aus den Sammlungen Kataloge und Rezensionen bestehende separate Schriftgutabteilung Ausstellungsgeschichte dokumentiert auf 2 lfm nicht nur die regelmäßigen Kunstausstellungen des VdBK und die Beteiligungen seiner Mitglieder an Ausstellungen alternativer Institutionen, sondern sie enthält darüber hinaus umfangreiche Materialen zu Ausstellungen der Berliner Secession, zur Großen Berliner Kunstausstellung, Juryfreien Kunstausstellung in Berlin, zu Ausstellungen der Preußischen Akademie der Künste, solchen in der DDR und im Ausland sowie zu Berliner Bezirksausstellungen und jenen der Vereinigungen Der Ring, GEDOK und Neue Berliner Gruppe.

 

Neben Akten und Korrespondenzen der GEDOK und der Schadow-Gesellschaft, die aus Schenkungen von Mitgliedern stammen, die in den genannten Verbänden parallel organisiert waren, hält die pansowova_erben historische Abteilung Einzelforschungsunterlagen zu Frauenrechtlerinnen und - in großem Umfang - zur Geschichte der Frauenkunstverbände bereit. Hinzu kommen 18 lfm teilweise unverarbeitete Dokumente aus unseren Ausstellungs-/Buchprojekten wie „Profession ohne Tradition“, „Torso“ oder „Künstlerinnen und Öffentlichkeit“. Darüber hinaus enthält die Schriftgutabteilung Korrespondenzen mit Museen, anderen Kulturinstitutionen und Privatpersonen, ferner wichtige Nachweise von Werken, künstlerischen und schriftlichen Nachlässen bildender Künstlerinnen, die sich in Museen, Galerien bzw. Archiven, Bibliotheken und Privatbesitz befinden.

 

 

Foto-/Mediathek
Mit 17 lfm bietet diese sich vielfach direkt auf das Schriftgut beziehende Archivabteilung analoges Bildmaterial zu mehr als 1.000 Künstlerinnen an. Verwahrt werden mehr als 18.500 fotografische Reproduktionen historischer und zeitgenössischer Werke sowie Abbildungen zur Person der jeweiligen Produzentinnen, etwa in Form von Fotoalben, Atelieraufnahmen und Ausstellungsdokumentationen. Ein kleinerer Teil der Fotothek steuert Bildmaterial zur Vereinsgeschichte, zu den Vereinsfestivitäten und diversen Vereinsdomizilen bei. Die Mediathek ergänzt den Bestand um digitale Datenträger, auf denen neben Reproduktionen von Werken herkömmlicher Kunstgattungen auch Videos, multimediale Projekte neuerer Künstlerinnen und Audiomaterial gespeichert sind.

 

 

Bibliothek
katalog_archivarionDer in die Buchbestände der Akademie der Künste übergegangene größte Teil der Vereinsbibliothek besteht in der Hauptsache aus Monografien, Werk- und Ausstellungskatalogen zu Einzel- und Gruppenausstellungen – auf Berlin, das Bundesgebiet, die DDR und das Ausland bezogen – sowie aus Editionen von Briefen, Tagebüchern, theoretischen und literarischen Texten von Künstlerinnen. Er enthält ferner wertvolle Künstlerbücher und Handdrucke sowie Publikationen des VdBK. Offeriert werden darüber hinaus Veröffentlichungen zu und von Künstlerinnenverbänden, Schriften freier Gruppen und Initiativen wie etwa Goldrausch, GEDOK, Schwarze Schokolade sowie Sekundärliteratur und historische Gesamtdarstellungen der Kunst von Frauen. Außerdem verfügt die Bibliothek über Fachliteratur zur Ausbildung von Frauen in künstlerischen Berufen, zur Emanzipationsgeschichte, Geschichte der Frauenkunstverbände und themenbezogene theoretische Schriften.

 

 

Kunstsammlung
Zwei kostbare Highlights älteren Datums bilden die Grafiken der stupenden Naturalistin Cornelia Paczka-Wagner und der Expressionistin und Mitschöpferin der Corporate Identity des Hauses Bahlsen Martel Schwichtenberg. Beide Künstlerinnen waren Vereinsmitglieder. Die Sammlung besteht überwiegend aus Arbeiten auf Papier sowie Gemälden von Mitgliedern und zahlreichen anderen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Aber auch allerhand Videos aus dem Vorlass der berühmten Collagistin und Body-Art-Künstlerin Annegret Soltau sowie Kunstfotografien, etwa von Silvia Klara Breitwieser, Karin Dammers, Elke Lixfeld, Jill Luise Muessig, Elke Nord und Heike Stephan, ferner Kunstobjekte und kleinere Plastiken gehören zum Bestand.

 

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Durch Schenkung bzw. Nachlass sind uns Papierarbeiten der beiden Vereinsvorsitzenden Alice Brasse-Forstmann und Margarete Godon überliefert worden – letztere eine Schmidt-Rottluff-Schülerin und sehr originelle Plastikerin. Neben den Grafiken und Gemälden erweitern die Batiken des Mitglieds Dorothea Bautz das technisch-künstlerische Spektrum der Kollektion. Vertreten ist die Gebrauchsgrafik durch die kompletten künstlerischen Hinterlassenschaften von Elfriede Löffler und Karin Dombrowski. Auch die Vereinsmitglieder Kat Kampmann und Erika Lindner hinterließen ihr gesamtes künstlerisches Oeuvre. Lindner, Schülerin Gerda Rotermunds, bereicherte die Sammlung mit einem enormen Konvolut von Tierzeichnungen und -grafiken, die die Frucht eines über 40jährigen täglichen Pleinair- und Naturstudiums im Berliner Zoo darstellen, während Kampmanns Werk eine substanzielle Anzahl an Gemälden und Papierarbeiten einfließen ließ, die zwischen Abstraktion und Figuration alternieren. Eine gehörige Anzahl an Gemälden und Papierarbeiten des Vereinsmitglieds Annelise Pilasik, zeitweilig auch Schriftführerin, verdankt die Sammlung einem VdBK-Ehrenmitglied und Nachfahren der Künstlerin.

 

brasse-forstmann_jahresberichtAuch die einstmaligen Artists in Residence des Vereins im Atelier des Schadowhauses Deanna Galletto, Christine Koch, Esther Rutenfranz, Anita Staud und die früh verstorbene Grafikerin Christine Perthen, in ihren letzten Lebensjahren VdBK-Mitglied, haben zur Bereicherung des Kunstbestands beigetragen. Nicht zu vergessen sind ferner die auf die Desaster des zweiten Weltkriegs bezogene Grafikmappe der Käthe-Kollwitz-Briefpartnerin Gerda Rotermund "De profundis clamavi ad te, Domine" und der Holzschnittzyklus Monika Brachmanns "Visionen zur atomaren Vernichtung der Menschheit", der die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl thematisiert. Das einstige Mitglied Sarah Schuhmann ist mit Papierarbeiten vertreten und zugleich in einem von Harun Farocki gedrehten Dokumentarfilm verewigt. Gleichviel ob durch Schenkung oder Ankauf – entschieden aktualisiert werden konnte die Kunstabteilung letztlich nicht nur durch Werke der Werefkin-Preisträgerinnen Angela Hampel, Pomona Zipser, Ulrike Bock, Brigitta Sgier und Karla Woisnitza, sondern auch durch solche von Friederike Feldmann, Carola Göllner, Sabine Herrmann, Sina Hofmann, Irmgard Merkens, Eva Moeller, Nuria Quevedo und Viola Schill.

 

 

Benutzerstruktur
Die Bestände des VdBK werden von einem breiten Spektrum unterschiedlicher Personengruppen nachgefragt. Den typischen und größten Benutzerkreis bilden naturgemäß Wissenschaftler. Doch auch Interessenten aus den Bereichen Journalismus, Kuratorium, Kunstrestauration, Galerie-, Auktionswesen und Kunstsammlung sowie Nachfahren der Künstlerinnen und Laienforscher, ja sogar Autoren historischer Romane profitieren von dem vielfältigen Informations- und Bildungsangebot des VdBK-Archivs und seiner Sammlungen.

 

 

Übereignung an die Akademie der Künste
Mit Ausnahme von kleineren Teilen der Bibliothek und der Kunstsammlung wurden unsere gesamten Bestände im Herbst 2012 per Vertrag der Akademie der Künste Berlin übereignet und in die jeweiligen Abteilungen eingegliedert. Die AdK hat sich verpflichtet, potenziell aufkommende Archivsupplemente 10 Jahre nach Vertragsabschluss erneut aufzunehmen.

 

 

Kontaktinformationen für Benutzer
Interessenten werden gebeten, sich mit ihrem spezifischen Anliegen an die zuunterst genannten Adressen der Akademie der Künste zu wenden. Für eine zügige Bearbeitung benutzen Sie bitte die jeweils abschließend genannten E-Mail-Adresse. Gern leitet der Benutzerservice Ihre Anfrage an die entsprechende Fachabteilung weiter.

 

Schriftgut & Foto-/Mediathek
Akademie der Künste - Archiv Bildende Kunst
Robert-Koch-Platz 10
10115 Berlin
Tel.. +49 30 20057-3247
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Buchbestand
Akademie der Künste - Bibliothek
Robert-Koch-Platz 10
10115 Berlin
Tel.. +49 30 20057-3247
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Kunstsammlung
Akademie der Künste - Kunstsammlung
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